Aller guten Dinge sind drei: Im Kampf um die deutsche Meisterschaft im American Football heißt es auch 2026 im GFL Bowl Dresden Monarchs vs. Potsdam Royals. Die sächsischen Monarchen wollen den brandenburgischen Königlichen die Herrschaft nun aber wirklich streitig machen, nachdem sie zweimal dicht vor diesem Ziel gescheitert waren. 2024 in Essen, als Potsdam knapp mit 27:21 gewann, und vergangenes Jahr im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden, als vor 20.000 Fans trotz Führung beim letzten Seitenwechsel Potsdam mit dem 33:23 seinen dritten Titel in Folge holte. Auch dieses Jahr wird im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden gespielt, die Erwartungen sind erneut hoch, da beide während der Saison klar gemacht haben, dass sie tatsächlich weiter die beiden klaren Top-Teams der effect® Energy GFL sind. Sicher ist, dass der GFL Bowl am 3. Oktober vorerst die mit Abstand größte Zuschauerkulisse eines Football-Spiels in Europa dieses Jahres anlocken wird, jedenfalls für knapp 24 Stunden, ehe die NFL in Tottenham ihr erstes der diesjährigen Europa-Spiele veranstalten wird. Selbstverständlich kann die effect® Energy GFL mit Dimensionen wie in der NFL nicht aufwarten. Im innereuropäischen Vergleich aber wird sich ihre gewachsene Strahlkraft beim GFL Bowl in Dresden dokumentieren. Die Versuche der letzten Jahre, auf dem Kontinent die natürlich und organisch gewachsene Vormachtstellung der Bundesliga, die in drei Jahren ihr 50-jähriges Jubiläum feiern wird, ins Wanken zu bringen, waren diese Saison nicht nur im Verborgenen, sondern auch öffentlich erkennbar wackelig. Einmal nur in Wien, an einem der wenigen europäischen Football-Traditionsstandorte außerhalb der effect® Energy GFL, gab es 2026 bisher eine knapp fünfstellige Zuschauerzahl. So voll, wie es am Samstag im Rudolf-Harbig-Stadion werden wird, war es da nicht. Bevor es also den sportlichen Höhepunkt zu feiern gibt, hat die Liga auch Anlass, ihre Situation optimistisch zu analysieren. Die laufende Ligareform, die in zwei Jahren die Anzahl der Mannschaften auf zwölf reduziert haben wird, sollte für eine höhere Leistungsdichte sorgen. Da mag in dieser Saison der Fortschritt noch nicht übermäßig erkennbar gewesen sein, Potsdams und Dresdens sportliche Übermacht ist eher vielleicht noch gewachsen. Aber zum einen ist dies Ansporn für eine Reihe von Clubs, sich selbst nach deren Vorbild stärker und effizienter zu engagieren. In Pforzheim, Hildesheim, Ravensburg, Düsseldorf und auch wieder in Schwäbisch Hall waren in dieser Saison solche Ansätze klar erkennbar - dazu beim kommenden Aufsteiger aus der GFL 2 Krefeld Ravens. Zum anderen zeigt sich aus Gesamtsicht der Liga deutlich, dass es sinnvoll war, die Reduzierung geplant anzugehen, sich darauf zu verlassen, dass dadurch der Unterbau der zweiten Liga langfristig gestärkt wird und seinerseits auch wieder das Niveau der effect® Energy GFL heben kann. Regensburg spielte als Aufsteiger dieses Jahr auf Anhieb munter mit. Von Krefeld wird kommendes Jahr viel erwartet, zumal sich der Club vom Niederrhein auch schon als Ausrichter des GFL 2 Bowls oder von Länderspielen logistische Erfahrung erarbeitet hat. Die effect® Energy GFL kann organisch ihr Niveau stetig steigern, während anderswo „am Reißbrett“ nicht immer logisch erscheinende Expansionspläne bei erheblichen finanziellen Ungewissheiten Wachstum nicht garantieren. Wie die sportlichen Kräfteverhältnisse an der Spitze Europas genau sind, lässt sich nur schwer abschätzen. Fans einer einzelnen Mannschaft haben es da natürlich einfach. In Dresden oder Potsdam dürfte niemand einen Zweifel daran haben, dass das eigene Team derzeit die Nummer eins Europas ist. Wahrscheinlich richtig ist, dass die Dresden Monarchs derzeit die stärkste Mannschaft ihrer Vereinsgeschichte aufbieten und dass dies auch die Potsdam Royals tun. Die Dresdener gewannen im Juni das Hauptrundenspiel der beiden und hatten damit den Vorteil, den gesamten September ohne Reisen auf ihr großes Ziel hin arbeiten zu können. Potsdam fuhr allerdings recht unbeeindruckt nach Schwäbisch Hall, führte im Halbfinale dort zur Halbzeit 30:0 (Endstand 39:12) und konnte sich noch einen Tick früher in den Schongang begeben als die Dresdener, die beim 36:7 gegen Pforzheim ihre letzten Punkte zu Beginn des Schlussabschnitts erzielten und die Gegenpunkte erst danach zuließen. Mit seinem Extrapunkt zu jenem 36:0 im Halbfinale wurde Kicker Florian Finke mit nun 745 erzielten Punkten der All-Time-Top-Scorer der Dresden Monarchs. Wer also nach möglichen sportlichen Vorteilen für die Monarchs für den GFL Bowl gegen Potsdam sucht, kann bei Finke schon mal fündig werden. Beide Finalkontrahenten ließen andere Gegner in der Saison 2026 nur je einmal beim Endresultat auf maximal einen Touchdown herankommen, da spielte das Kicking Game nur eine untergeordnete Rolle. In Endspielen sieht dies allgemein häufig anders aus, und schon beim Hauptrundenduell in Potsdam war eben auch Finke ein Faktor. Während die Potsdamer da nach ihrem ersten Touchdown ihrer üblichen aggressiven Linie treu blieben und auf eine 2-Point-Conversion zielten, holten die Dresdener mit einem PAT-Kick und einem Field Goal im ersten Viertel eine Vier-Punkte-Führung, die sie für den Rest der Spielzeit auch strategisch in Vorteil brachte. Einen solchen strategischen Vorteil werden sie wohl im Finale dringend früh erreichen wollen. Denn bei den beiden rekordverdächtigen Offenses, die auch auf dem Rasen des Harbig-Stadions ein Angriffsfeuerwerk abbrennen könnten, liegt statistisch der leichte Vorteil bei den Potsdamer Titelverteidigern, was die Anzahl der Touchdowns und Yards angeht. Dresdens Quarterback Rocky Lombardi setzt dem zwar eine Vollständigkeitsquote von beinahe 70 Prozent seiner Pässe entgegen. Aber vor allem in der Verteidigung war der statistische Abstand zwischen der Nummer eins der Liga aus Potsdam zur Nummer zwei aus Dresden doch deutlicher. Die Potsdam Royals haben am Samstag in Dresden die Chance, als zweiter Verein viermal hintereinander deutscher Meister zu werden. Bisher haben das nur die Braunschweig Lions geschafft, sogar zweimal (2005 - 2008 und 2013 - 2016). Herausforderer Dresden Monarchs will alles tun, um dies zu verhindern. Für die Dresdener ist es ebenso wie für die Potsdamer die fünfte Finalteilnahme. Nur einmal war ihnen 2021 bisher der Titel vergönnt. Diesmal könnte er den Sachsen mit einer „Perfect Season“ ohne einzige Niederlage gelingen - doch die Aufgabe könnte trotz Heimvorteil schwerer nicht sein.


