Die finale Phase in der effect® Energy GFL 2026 startet: Acht Mannschaften spielen am 12. September im Viertelfinale um das Weiterkommen Richtung GFL Bowl am 3. Oktober im Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion. Für zwei Teams der German Football League 2 ist der Tag der finalen Entscheidung bereits gekommen: Ebenfalls am Samstag treffen in der Krefelder Grotenburg die Krefeld Ravens und die Rostock Griffins um 18 Uhr zum ersten GFL 2 Bowl überhaupt aufeinander, der Sieger wird im kommenden Jahr die effect® Energy GFL bereichern.
In der ersten Liga sind unter den acht Playoff-Teams sechs, die auch 2025 in der Endrunde standen. In der Süd-Gruppe schafften gar alle vier Mannschaften den erneuten Viertelfinaleinzug – wenn auch in (fast exakt) umgekehrter Reihenfolge. Im Norden spielten Kiel und Berlin diesmal eher gegen den Abstieg, dafür kehrten die Hildesheim Invaders, Halbfinalist von 2024, nach einem Jahr Pause zurück in die Playoffs. Viel länger warten mussten die Düsseldorf Panther. Der Ende der 70er Jahre gegründete älteste noch existierende Football-Verein Europas war zuletzt 2012 ins Viertelfinale gekommen. Damals schieden die Panther in Schwäbisch Hall auf – nun dürfen sie 14 Jahre später wieder dorthin reisen.
Über allen Konkurrenten im Norden thronten einmal mehr die Finalisten der letzten beiden Jahre. Dresden Monarchs und Potsdam Royals gaben sich keine Blöße, auch wenn die Potsdamer kurz zu Beginn und die Dresdener zur Mitte der Saison mal das eine oder andere knappe Resultat zuließen. Ihr direktes Duell gewannen die Monarchs Ende Juni am 40-Grad-Wochenende knapp in Potsdam mit 24:22 und sind damit in der komfortablen Position, die kompletten Playoffs samt eventuellem GFL Bowl in der eigenen Stadt spielen zu dürfen.
Los geht es für sie am Samstag mit dem Spiel gegen die Munich Cowboys. Als Vierter des Südens sind die Münchner Gäste automatisch in der Rolle des Underdogs. In der Saison gab es das Interconference-Duell der beiden in München, bei dem Dresden eine 48:0-Führung in zweieinhalb Spielvierteln herstellte und den Cowboys erst danach noch ein Field Goal und einen Touchdown gönnte. In der effect® Energy GFL Süd gehörte das Duo aus Quarterback Nick Semptimphelter und Receiver Gabriel Boccella zu den produktivsten Gespannen, gegen die Monarchs-Defense kamen die beiden seinerzeit nicht zum Zuge, und das nicht nur weil Semptimphelter früh nach einem Tackle der Dresdener angeschlagen war.
Dresden setzt auf ein ähnliches Erfolgsrezept, Quarterback Rocky Lombardi und Receiver Montigo Moss setzten sich im Laufe des Jahres gegen fast jede Defense eindrucksvoll durch. Dazu haben die Sachsen mit Running Back Tofunmi Lala einen weiteren produktiven Erfolgsgaranten an Bord. Und sollte dies alles nicht reichen, runden Kicker Florian Finke und „Ersatz“-Quarterback Casey Thompson, der im College Football unter anderem je eine Saison Stammspieler für die Texas Longhorns und die Nebraska Cornhuskers war, die offensive Übermacht mit weiteren Nebenleuten ab.
Eine defensive Übermacht bauten wieder die Potsdam Royals auf. Vier Finalteilnahmen in Serie hatte der amtierende Meister seit 2022, nur bei der ersten setzte es eine Niederlage. Seinerzeit hatte man in der Kaderplanung die Wichtigkeit der Defense eher ein wenig unterschätzt. Aus Fehlern wird man klug: Seither ist Potsdams Verteidigung Maß der Dinge in der effect® Energy GFL. Ins Viertelfinale geht sie nun nach einer einmaligen Serie von fünf Shutout-Siegen in Folge, darunter drei gegen andere Playoff-Teilnehmer.
Schlechte Nachrichten sind dies für die ifm Razorbacks Ravensburg. Nur um Haaresbreite verfehlten sie Rang zwei im Süden und damit die ungleich größere Chance, wie letzte Saison ins Halbfinale einziehen zu können. Nun müssen sie irgendeinen Weg finden, das Bollwerk der Potsdamer zu überwinden. Quarterback Broghean McGovern gehört statistisch zu den produktivsten Spielmachern der Liga, kam auf fast 3.500 Passing Yards und 39 Touchdown-Pässe. Tim Müller oder Anthony Harris als Anspielstationen, Running Back Lennies McFerren als Entlastung sowie in der Defense Ben Rashid (11,5 Quarterback Sacks diese Saison) bilden ein hervorragendes Fundament.
Allerdings: Im Interconference-Heimspiel gegen die Potsdamer erging es den Ravensburgern nur wenig besser als den Münchenern gegen Dresden. 0:34 stand es nach drei Vierteln, der Razorbacks-Touchdown kam erst zum Schluss. Die Royals stellen schließlich weiter eine Offense, die ihrer Defense in nichts nachsteht. Maximilian McLeod war mit 116 Punkten erfolgreichster Scorer der Liga, fing 68 Pässe für 1.156 Yards und 17 Touchdowns.
Ungeschlagen wie die Dresden Monarchs ziehen auch die Schwäbisch Hall Unicorns als Gruppensieger des Südens in die Playoffs ein. Zwei Siegen gegen die Interconference-Gegner Berlin und Kiel müsste nun ein Erfolg gegen die Düsseldorf Panther folgen, wollen die Haller es nicht nur bei der Rückkehr auf Platz eins im Süden belassen, sondern nach drei Jahren auch wieder einmal ins Finale vorstoßen. In ihren letzten drei Heimspielen haben die Unicorns nur einen einzigen Touchdown hinnehmen müssen (als sie 35:0 in Führung lagen). Ihre Verteidigung scheint also in jedem Fall gerüstet für die Aufgabe, wie auch die gesamte Mannschaft nach dem Umbruchjahr 2025 die positive Entwicklung immer weiter fortsetzen kann.
Vorwärts ging es auch für die Düsseldorf Panther, spätestens als zur Saisonmitte der neue Quarterback Dawson Herl zum Team stieß. Düsseldorfs letzte Erstliga-Playoff-Teilnahme endete 2012 im Viertelfinale in Schwäbisch Hall, aber der letzte Besuch einer Panther-Mannschaft in Hall ist gerade einmal einen Monat her. Denn die U20-Mannschaften beider Vereine standen sich im Junior Bowl um die deutsche Juniorenmeisterschaft dort gegenüber. Da war Düsseldorf Favorit, lag zum letzten Seitenwechsel jedoch zurück, um sich schließlich doch noch mit 24:13 durchzusetzen. Beide können auf Spieler des ältesten Jahrgangs aus ihrem Juniorenkader nun auch in der effect® Energy GFL zurückgreifen, beide wissen, dass das Fundament ihrer Jugendarbeit ihre Zukunft sichern kann.
Ein weiteres Viertelfinale wird in Baden-Württemberg gespielt: Die Pforzheim Wilddogs haben ihr Saisonziel im zweiten Jahr der Erstligazugehörigkeit erreicht und dürfen das Halbfinale zu Hause absolvieren. Respekt haben die Pforzheimer dabei vor der Defense der Hildesheim Invaders um Defensive Lineman Kyle Kitchens. Die Offense der Invaders mit ihrem langjährigen dynamischen Spielmacher Nelson Hughes III steht ihrerseits aber selbst vor einer schweren Aufgabe. Die Pforzheimer kassierten 2026 die wenigsten Punkte in der Liga abgesehen von Royals und Monarchs. Der Wilddogs-Angriff um Quarterback Drequan Harris punktete meist dann, wenn es darauf ankam.
Für die Pforzheimer ist es ein historisches Heimspiel, eine Klasse tiefer geht es den Krefeld Ravens neun Jahre nach ihrer Vereinsgründung ähnlich. Als Ausrichter des allerersten GFL 2 Bowls hatte man sich nicht ohne Hintergedanken beworben, nun ist das Team auch für das Zweitliga-Finale in der Grotenburg qualifiziert. Gegner ist der Nord-Zweite Rostock Griffins, seit drei Jahren in der zweiten Liga immer unter den Top drei und immer wieder knapp von späteren Aufsteigern auf die Plätze verwiesen. Das Hauptrundenspiel Ende Mai in Krefeld hatten die Rostocker mit 21:41 verloren. Ob sie den Spieß im Finale diesmal umdrehen können?




