Spitzenspiel in Potsdam

Die Neuauflage der letzten beiden GFL Bowls steht am letzten Juni-Samstag in Potsdam auf dem Programm: Titelverteidiger Potsdam Royals ist dieses Jahr mit dem Heimrecht für den Vergleich mit Herausforderer Dresden Monarchs ausgestattet. Letztes Jahr gewannen die Potsdamer jedoch auch in Dresden, und das gleich zweimal. Zunächst hatten sie sich mit einem 31:6 am letzten Spieltag noch den ersten Platz in der effect® Energy GFL Nord geschnappt. Fünf Wochen später feierten sie in Dresden ihren dritten Titel in Folge nach einem 33:23 im Finale.

Vor ihrem Aufeinandertreffen in der Hauptrunde 2026 sind beide noch ungeschlagen. Ganz selbstverständlich ist dies nicht: Die Potsdamer hatten zum Auftakt in Berlin arge Probleme, die Dresdener schienen vor zwei Wochen in Braunschweig offensiv ein wenig Ladehemmung zu haben. Insgesamt aber drücken beide auch dieses Jahr der effect® Energy GFL Nord ihren Stempel auf.

Deutlich machten sie dies in der letzten Woche. Bei den bis dahin ungeschlagenen Hildesheim Invaders gewann Potsdam auswärts mit 44:21. Die Royals zeigten ihre Vielseitigkeit. Quarterback Xeaiver Bullock führte die Offense souverän durch die Partie, während die Defense – statistisch die beste der Liga – mehrfach spielentscheidende Akzente setzte. Einer der Höhepunkte war der Pick Six von Defensive End Mika Habermann.

Die Monarchs besiegten derweil die Kiel Baltic Hurricanes deutlich mit 42:7 und unterstrichen nach dem knappen 24:16 in Braunschweig sieben Tage zuvor doch wieder, dass Quarterback Rocky Lombardi zu den besten Spielmachern der Liga zählt. Weitere Trümpfe sind Running Back Tofunmi Lala und die Receiver Montigo Moss, Janne Särkelä und David Moore. Dresden hat sich vor dem nächsten GFL Bowl in der eigenen Stadt für dieses Jahr viel vorgenommen und zielgerichtet investiert. Ob es sich gelohnt hat, entscheidet sich erst am 3. Oktober im Rudolf-Harbig-Stadion. Aber einen ersten Hinweis bringt die Partie am 27. Juni in Potsdam.

Auch der Süden bekommt ein Spitzenspiel zu sehen: Die Schwäbisch Hall Unicorns, die über ein Jahrzehnt lang regelmäßig die effect® Energy GFL Süd gewannen, erwarten mit den ifm Razorbacks Ravensburg diesen Samstag jenes Team im Optima-Sportpark, das ihnen letztes Jahr Platz eins entriss. 2026 sind vorerst wieder die Schwäbisch Hall Unicorns ungeschlagener Tabellenführer. Ravensburg ließ in Pforzheim und gegen Potsdam schon zweimal Federn. Wollen die Ravensburger auch dieses Jahr das Viertelfinale zu Hause spielen – womöglich gar erneut als Erster -, wäre ein Sieg in Schwäbisch Hall für sie Pflicht.

Die Qualität dazu hätten sie, meint Unicorns-Head-Coach Felix Brenner und will die augenblickliche Tabellensituation nicht überbewerten. „Mit den Ravensburgern ist auf jeden Fall zu rechnen“, warnt Brenner seine Mannschaft und verweist vor allem auf die personelle Kontinuität beim letztjährigen Südmeister. Quarterback Broghean McGovern spielt bereits seit 2024 für die ifm Razorbacks und überzeugt mit viel Übersicht. In der Defense ist Ben Rashid eine langjährige Säule als einer der Top-Pass-Rusher der Liga.

An Motivation mangelt es ohnehin nicht – auf beiden Seiten. Für die Haller ist nach dem Sieg auch im Rückspiel gegen den derzeitigen Dritten Munich Cowboys die Chance greifbar, mit dem Erfolg gegen die Ravensburger einen weiteren Konkurrenten schon vorentscheidend zurückzuwerfen. Am Samstag könnte im Optima-Sportpark der Grundstein dafür gelegt werden, dort auch am 12. September in die Playoffs starten zu dürfen.

Vorentscheidungen gibt es am Samstag auch im Abstiegskampf. Bei den beiden Interconference-Spiele der Woche in Straubing und Neunkirchen treten Mannschaften aus dem Tabellenkeller gegeneinander an. Die Straubing Spiders warten als letzte Mannschaft der Liga noch auf ihren ersten Saisonsieg. Ihr Gegner Braunschweig Lions hat diesen letzte Woche mit einem 34:20 in Düsseldorf geholt, nachdem sich in den Heimspielen davor gegen Playoff-Kandidaten die Leistungssteigerung bereits abgezeichnet hatte. Obwohl die Straubinger zuletzt gegen München phasenweise mithalten konnten und ihr neuer Quarterback Raleigh Yeldell immer besser mit den Mitspielern harmoniert, ist der Knoten bei den Spiders noch nicht geplatzt.

Langsam wird es eng, der Letzte der effect® Energy GFL Süd muss direkt absteigen. Nach den Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten aus dem Allgäu und dem Saarland benötigen die Spiders mindestens zwei Siege aus ihren letzten sieben Spielen. Oder mehr, wenn die Rivalen selbst weiter zuschlagen. Die Saarland Hurricanes empfangen diese Woche die Düsseldorf Panther, die nicht nur zu Hause gegen Braunschweig, sondern vor einigen Wochen auch in Regensburg verloren haben. Vor allem defensiv hatten die Hurricanes den Süd-Spitzenteams bisher wenig entgegenzusetzen. Vielleicht klappt es ja nun gegen die Rheinländer, die ihren Ansprüchen in dieser Saison bisher noch ein wenig hinterher laufen.

Im Plan liegen dagegen andere, etwa die Pforzheim Wilddogs oder die Hildesheim Invaders. Die Pforzheimer sind in Kempten bei den Allgäu Comets zu Gast, nachdem sie letzten Samstag das Hinspiel zu Hause mit 61:13 klar gewannen. Ein wenig werden die Wilddogs nebenbei nach Schwäbisch Hall schielen und schauen, was die Konkurrenten machen. Im Juli spielen die Pforzheimer in Ravensburg und daheim gegen die Unicorns und dürften dabei das Rennen um Platz eins spannend machen.

Rang eins dürfte für die Hildesheim Invaders nach der ersten Saisonniederlage kein wirkliches Thema mehr sein. Das 21:44 gegen Meister Potsdam war im Vergleich zum Vorjahr für die Niedersachsen zwar ein Fortschritt, doch der Abstand zum Spitzenteam blieb immer noch deutlich genug. Nun gastieren die Invaders als Tabellendritter beim Vierten Berlin Rebels, nach Siegen in der Tabelle um vier Spiele zurück, nach Niederlagen allerdings nur um zwei. Der entscheidende Unterschied bisher: Hildesheim hat beide Interconference-Duelle gewonnen, Berlin eines verloren. Holen die Invaders am Samstag im Mommsenstadion oder beim Rückspiel im August wenigstens einen Sieg gegen die Rebels, sind ihre Chancen sehr groß, auch am Ende vor den Berlinern zu landen.