Spitzenduell in Ravensburg


Südmeister gegen Nordmeister: Der erste Juni-Samstag bringt in der effect® Energy GFL das Top-Spiel unter den Interconference-Duellen dieses Jahres. GFL Bowl Champion Potsdam Royals ist zu Gast bei den ifm Razorbacks Ravensburg. Für die Potsdamer ist es der Auftakt zu ihren heißen Monaten Juni und Juli, in denen sie fünf Spiele in Folge gegen andere Playoff-Kandidaten absolvieren. Die ersten beiden auswärts (nach der Reise nach Ravensburg geht es nach Hildesheim), und nach zwei hohen Siegen gegen Braunschweig und Kiel sind die Potsdamer nun wohl wieder ganz anders gefordert.

Zumal die Ravensburger etwas gut zu machen haben und im heimischen TeleData-Stadion am Lindenhof eine erwartungsfrohe und lautstarke Kulisse zur Unterstützung im HIntergrund haben werden. Nach der 10:28-Niederlage in Pforzheim sind die ifm Razorbacks vorerst in die Rolle eines Verfolgers zurückgeworfen worden. Doch die liegt ihnen, wie sie letztes Jahr beim ersten Gewinn der Südmeisterschaft nach einem Start mit zwei Niederlagen unterstrichen hatten.

Royals und Razorbacks sind im offensiven Bereich leicht unterschiedlich ausgerichtet. Potsdam kann dank Quarterback Xeaiver Bullock, einer Reihe gleichwertiger Receiver und den Running Backs um Heiko Bals hoch variabel agieren. In Ravensburg setzte man in den ersten drei Partien stärker auf das Passspiel von Broghean McGovern. Beide Wege führen zum Erfolg, bei den ifm Razorbacks waren es bisher 40 eigene Punkte pro Spiel, bei den Potsdamern über 45.

Defensiv allerdings scheinen die Vorteile auf Seiten der Gäste zu liegen, deren Verteidigung nur in den ersten beiden Spielvierteln der Saison in Berlin zwei Touchdowns zulassen musste und seither die eigene Endzone sauber hält. Die Ravensburger kassierten ebenfalls zwei Touchdowns im ersten Spiel, danach aber von Partie zu Partie jeweils einen mehr als davor. Das Duell im letzten Jahr in Potsdam gewannen die Royals mit 46:20, wobei die Defense der Oberschwaben nach gutem Beginn mit einer Schwächephase im zweiten Viertel das Heft aus der Hand gegeben hatte.

Ob man dieses Mal das Bollwerk länger aufrecht erhalten kann, muss sich zeigen. Wichtig wäre es schon für die ifm Razorbacks, die den Spielplan eines Meisters absolvieren und zum Ende der Hauptrunde zu ihrem zweiten Interconference-Spiel nach Dresden müssen. Nach Schwäbisch Halls Sieg in Berlin, Ravensburgs Niederlage in der Goldstadt letzte Woche und weil gegen den derzeitigen Süd-Tabellenführer Unicorns für die ifm Razorbacks 2026 nur ein Spiel auswärts auf dem Programm steht, wäre ein Erfolg gegen Potsdam Gold wert.

Das zweite Interconference-Spiel des ersten Juni-Samstags gibt es in Düsseldorf zwischen Panthern und Regensburg Phoenix. Auch hier haben die Gastgeber ein wenig etwas gut zu machen: Vor dem 3:35 in Hildesheim vor zwei Wochen hatte man sich im Rheinland wohl anderes ausgerechnet. Doch die Saison ist noch lang, die Playoff-Ränge bleiben nach Berlins Niederlage für Düsseldorf in Sichtweite.

Als einziges Team der effect® Energy GFL Nord spielen die Panther vier Interconference-Partien gegen den Süden, und keiner ihrer Gegner dabei war letztes Jahr in den Playoffs. Aufsteiger Regenburg Phoenix naturgemäß nicht, dennoch werden die Panther auf der Hut sein müssen: In den Spielen gegen die Munich Cowboys zeigten die Oberpfälzer Anzeichen offensiver Steigerung und hätten im Heimspiel im letzten Viertel nur länger durchhalten müssen, um zum ersten Sieg in der effect® Energy GFL zu kommen. Auch für sie wäre ein Erfolg in einem Spiel gegen einen Nord-Vertreter ein wichtiger Joker-Punkt im Abstiegsrennen.

Entgegengesetzt ist es für die Berlin Rebels: Nach knapper Niederlage gegen Potsdam mündete auch das zweite Heimspiel gegen Schwäbisch Hall in einer Enttäuschung. Zweimal stark mitgehalten zu haben, zählt in der Tabelle aber nichts, zwei Siege Rückstand auf das Spitzentrio im Norden haben die Berliner bereits. Nun geht es am Samstag nach Dresden, wo die Monarchs ihre Saison ganz den Erwartungen entsprechend gestartet haben.

Allerdings ist es auch für die Sachsen gegen die Berliner in den letzten Jahren nie ganz einfach gewesen. 2023 verloren die Monarchs überraschend vor damaliger Dresdner Rekordkulisse, 2024 in Berlin, ehe sie im vergangenen Jahr vor neuer Rekordkulisse souverän aufspielten. Berlin bräuchte gerade jetzt einen besonderen Impuls, die Bestätigung, ein Spitzenspiel auch einmal siegreich beenden zu können. Und für die Dresdner ist es wohl auch die bisher schwerste Aufgabe des Jahres.

Im Dantestadion in München spielen am Samstag die Munich Cowboys ihr drittes Bayern-Duell in Folge, zu Gast sind die Allgäu Comets. Die Allgäuer haben wie auch die beiden anderen bayerischen Vertreter noch kein Spiel gewinnen können und standen vor allem defensiv bei den bisherigen zwei Auftritten auf verlorenem Posten. Will man der Saison noch eine Wende geben, dürfte der richtige Zeitpunkt dafür das Spiel der beiden bayerischen Traditionsteams sein, zu dem es 2026 kein Rückspiel geben wird.

Nord-Tabellenführer HIldesheim Invaders spielt am Sonntag unter dem Motto „Salute to Service“ gegen die Kiel Baltic Hurricanes. Hildesheims Cheftrainer Marcus Herford führt sein Team dabei gegen eine Mannschaft, bei der er einst selbst coachte und die die Invaders wieder ein Stückchen mehr fordern könnte als die bisherigen Gegner.

Mit rund 42 Punkten pro Spiel überzeugte bisher der Invaders-Angriff um Nelson Hughes, gegen Kiel wird es aber vor allem darauf ankommen, ob die Defensive Line der Invaders um Kyle Kitchens und Julian Thompson auch Kiels Quarterback P.J. Settles so in Schach halten kann wie die anderen Spielmacher bisher. Die Baltic Hurricanes kamen gegen Dresden und Potsdam zwar erwartungsgemäß nicht zum Zuge, doch so wie Hildesheim setzten auch sie sich knapp in Braunschweig durch. Da müssen die Invaders zeigen, dass ihre vorläufige Tabellenführung nicht nur dem bisher leichten Spielplan zu verdanken ist.