Foto: Philipp Kuhnert
Die Potsdam Royals stehen im Halbfinale der Effect Energy GFL und sind ihrem großen Ziel, dem vierten deutschen Meistertitel in Folge, einen weiteren Schritt nähergekommen. Im Playoff-Viertelfinale setzte sich der amtierende Champion vor 2040 Zuschauern mit 48:21 gegen die ifm Razorbacks durch. Dabei bekamen die Royals nach fünf Spielen ohne einen einzigen Gegenpunkt erstmals seit Wochen wieder ernsthaften Widerstand zu spüren. Vor allem in der ersten Hälfte hielten die Gäste aus Oberschwaben dagegen und gingen mit einem 13:21 Rückstand in die Pause. Nach dem Seitenwechsel übernahm Potsdam jedoch endgültig die Kontrolle. Insgesamt produzierte die Offense 516 Yards Raumgewinn, davon 277 durch die Luft und 239 am Boden. Gleichzeitig hielt die Defense Ravensburg bei nur 175 Yards Total Offense und beeindruckenden minus 19 Rushing Yards. Head Coach Michael Vogt sah genau die Playoff-Partie, mit der im Vorfeld zu rechnen gewesen war,
„So sind die Playoffs. Wir sind froh, dass wir eine Runde weiter sind. Es war kein leichtes Spiel, wie es auch zu erwarten war. Die Razorbacks sind ein sehr gutes Team und waren gut vorbereitet. Umso mehr freut es mich, dass wir uns am Ende doch deutlich durchsetzen konnten. Dazu hatten wir eine tolle Atmosphäre. Playoffs sind immer etwas Besonderes und es war schön, dass bei diesem tollen Wetter so viele Zuschauer da waren.“
Ravensburg fordert die Royals früh
Potsdam eröffnete die Partie mit einem langen Drive und belohnte sich durch einen Touchdown-Pass von Hugh „Bay“ Harvey auf Milan Spiller. Chrisman Kyei sorgte anschließend für die erfolgreiche Two Point Conversion. Ravensburg antwortete allerdings umgehend. Quarterback Broghean McGovern fand William Enneking über 21 Yards zum 8:6 und beendete damit auch die historische Shutoutserie der Potsdamer Defense. Die Royals ließen sich davon nicht aus ihrem Rhythmus bringen. Kyei vollendete den nächsten erfolgreichen Drive mit einem Lauf in die Endzone, ehe Corey Jeeves einen Pass von Harvey über 26 Yards zum 21:6 verwertete. Ravensburg zeigte jedoch, warum die Mannschaft mit acht Siegen aus der Regular Season nach Potsdam gereist war. Enneking erzielte seinen zweiten Touchdown und verkürzte noch vor der Pause auf 21:13. Erstmals seit mehreren Wochen mussten die Royals damit in einem Spiel auf echten Widerstand reagieren.
Genau darin sah Defensive Captain Ruben De Ruyter einen wichtigen Faktor dieses Viertelfinals. Der langjährige Führungsspieler der Potsdamer Defense lobte ausdrücklich die Leistung der Gäste und vor allem die Reaktion seiner eigenen Mannschaft auf die schwierigen Phasen.
„Zunächst einmal ein großes Kompliment an die Razorbacks. Sie sind hierhergekommen, haben wirklich hart gespielt und es war ein gutes und faires Spiel. Für uns ist zunächst das Wichtigste, dass wir gewonnen haben. Gleichzeitig hatten wir zum ersten Mal seit einigen Wochen wieder etwas Gegenwehr und mussten mit schwierigen Situationen umgehen. Wir haben darauf gut reagiert, sind als Mannschaft zusammengeblieben und haben Antworten auf unsere Fehler gefunden. Genau das ist das Wichtige, was wir aus diesem Spiel mitnehmen sollten.“
Harvey verteilt, Kyei dominiert am Boden
Nach dem Seitenwechsel zeigte die Potsdamer Offense, wie schwer sie in ihrer ganzen Breite zu verteidigen ist. Harvey brachte 20 seiner 34 Passversuche für 277 Yards und vier Touchdowns an. Gleich mehrere Receiver wurden dabei zu entscheidenden Faktoren. Key’Shawn Smith fing drei Pässe für 86 Yards und setzte mit seinem 53 Yard Touchdown zum 29:13 das erste große Ausrufezeichen nach der Pause. Milan Spiller war mit fünf Receptions für 76 Yards und zwei Touchdowns ebenfalls kaum zu kontrollieren. Corey Jeeves steuerte 46 Yards und einen weiteren Touchdown bei. Damit verteilte Harvey seine vier Touchdown-Pässe auf drei unterschiedliche Passempfänger und zwang die Ravensburger Defense dazu, das gesamte Feld verteidigen zu müssen.
Mindestens ebenso wichtig blieb das Laufspiel. Chrisman Kyei trug den Ball 19 Mal für 145 Yards, erzielte einen Touchdown und kam auf starke 7,6 Yards pro Lauf. Gemeinsam mit Heiko Bals, Adrian Peter und den weiteren Ballträgern sorgte er dafür, dass die Royals auch am Boden permanent Raumgewinn produzieren konnten. Insgesamt erlief Potsdam 239 Yards und erzielte 17 seiner 31 First Downs durch das Laufspiel. Gerade diese Balance machte es Ravensburg zunehmend schwer, die Potsdamer Offense zu kontrollieren. Bals sprach nach der Partie deshalb von einem Arbeitssieg, bei dem insbesondere die Entwicklung nach der Pause und die Tiefe des Kaders positiv herausstachen.
„Am Ende war es ein klarer Arbeitssieg. Die erste Halbzeit war etwas knapper, als wir es uns gewünscht hätten. In der zweiten Hälfte konnten wir dann viele Fehler ausmerzen und sind deutlich besser ins Spiel gekommen. Das hat man am Ende auch am Punktestand gesehen. Besonders gut fand ich, dass unsere zweite Offense den Ball ebenfalls gut bewegt und noch gepunktet hat. Das zeigt, welche Tiefe wir im Kader haben.“
Heiko Bals
Drittes Viertel bringt die Entscheidung
Die entscheidende Phase folgte unmittelbar nach der Halbzeit. Während die Potsdamer Offense weiter punktete, ließ die Defense im gesamten dritten Viertel keinen Zähler der Razorbacks zu. Aus dem 21:13 zur Pause entwickelte sich so Schritt für Schritt eine deutliche Führung. Ravensburgs Laufspiel wurde von der Potsdamer Front vollständig aus der Partie genommen. Am Ende standen für die Gäste bei sechs Laufversuchen minus 19 Yards. McGovern musste die Verantwortung dadurch nahezu vollständig über den Pass übernehmen. Er beendete die Partie mit 194 Passing Yards und zwei Touchdowns, warf allerdings auch zwei Interceptions. Besonders deutlich zeigte sich die Potsdamer Kontrolle bei den entscheidenden Downs. Ravensburg konnte keinen einzigen seiner zehn Third Downs erfolgreich verwandeln und erzielte in der gesamten zweiten Hälfte keinen offensiven Touchdown mehr. Royals Präsident Jens Torsten Müller sah gerade in dieser Phase den Schlüssel zum Halbfinaleinzug.
„Wir hatten ein Wahnsinnsspiel gegen Ravensburg, das aus meiner Sicht im dritten Quarter entschieden wurde. Unsere Offense hat dort eine herausragende Leistung gezeigt und die Defense stand im gesamten Viertel zu null. Das hat heute den Sieg gebracht und damit den Einzug ins Halbfinale.“
Minniti setzt mit Pick Six das Ausrufezeichen
Zum Sinnbild für die Defensivleistung nach der Pause wurde Ryan Minniti. Der Defensive Back steuerte nicht nur einen Sack bei, sondern fing im Schlussviertel einen Pass von McGovern ab und trug die Interception über 15 Yards direkt zum Touchdown zurück. Auch Ronaldo Tomasello fing einen Pass des Ravensburger Quarterbacks ab. Ruben De Ruyter führte die Potsdamer Defense mit sieben Tackles und zwei Assists an und erzwang zusätzlich einen Fumble. Die Royals machten aus dem 21:13 zur Pause damit eine komfortable 45:13 Führung und sorgten frühzeitig für klare Verhältnisse.
Ravensburg gab sich trotz des deutlichen Rückstands nicht auf. Besonders Alex Mashak zeigte bis zum Ende eine starke Leistung. Der Defensive Back sammelte 13 Tackles und sechs Assists und fing im Schlussviertel eine Interception ab, die er über 74 Yards zum Touchdown zurücktrug. Damit verkürzten die Razorbacks noch einmal auf 45:21. Auch Ben Rashid bestätigte seine starke Saison mit 8,5 Tackles, drei Assists und einem Sack. Offensiv war William Enneking mit sechs Receptions für 62 Yards und beiden Ravensburger Offensivtouchdowns der auffälligste Akteur. Die Royals ließen sich davon jedoch nicht mehr beirren. Heiko Bals setzte mit einem Field Goal aus 34 Yards den Schlusspunkt zum 48:21.
Jetzt wartet Schwäbisch Hall
Mit dem Viertelfinalsieg stehen die Royals erneut unter den besten vier Mannschaften Deutschlands. Dort wartet eine der traditionsreichsten Adressen des deutschen Footballs. Die Schwäbisch Hall Unicorns setzten sich in ihrem Viertelfinale knapp mit 23:20 gegen die Düsseldorf Panther durch. Damit müssen die Royals zum Halbfinale nach Baden Württemberg reisen. Für Potsdam bedeutet das eine völlig andere Herausforderung als in den vergangenen Wochen. Die Unicorns verfügen über enorme Playoff Erfahrung und haben den deutschen Football über viele Jahre geprägt.
„Schwäbisch Hall ist immer eine lange Reise und immer ein schweres Spiel. Sie standen nicht ohne Grund über Jahre regelmäßig im German Bowl und finden jetzt langsam wieder zu ihrer alten Stärke zurück. Ich denke, dass uns dort ein sehr spannendes Spiel erwartet.“
Heiko Bals
Ruben De Ruyter blickt ebenfalls mit großem Respekt, aber genauso großer Vorfreude auf die nächste Aufgabe. Für den Defensive Captain ist klar, dass die Royals auf dem Weg zum großen Ziel keinen einfachen Weg erwarten und auch keinen benötigen:
„Schwäbisch Hall ist auswärts niemals eine einfache Aufgabe. Dort gibt es eine echte Footballstadt, sie sind immer gut gecoacht und haben unglaublich viel Geschichte. Deshalb müssen wir uns sehr gut vorbereiten. Aber genau das ist Playoff Football und genau das wollen wir. Wir möchten keinen einfachen Weg ins Finale. Jetzt geht es Schritt für Schritt nach Hall und dort versuchen wir, das nächste Spiel zu gewinnen. Wir freuen uns darauf, wir sind bereit und werden eine weitere Woche hart dafür arbeiten.“
Zwei Siege fehlen zum vierten Titel
Nach drei deutschen Meisterschaften in Folge fehlen den Royals noch zwei Siege, um erneut den Titel der Effect Energy GFL nach Potsdam zu holen. Das Viertelfinale hat dabei gezeigt, dass die Mannschaft auch dann Lösungen finden kann, wenn ein Gegner zurückschlägt. Nach fünf Shutouts hintereinander war Ravensburg die erste Mannschaft seit Wochen, die Potsdam wieder vor schwierigere Situationen stellte. Die Royals reagierten darauf mit 27 weiteren Punkten nach der Pause, einer Defense, die keinen offensiven Touchdown mehr zuließ, und einer Offense, die am Ende mehr als 500 Yards produzierte.
Der Fokus richtet sich nun vollständig auf Schwäbisch Hall. Auch Präsident Jens Torsten Müller erwartet dort eine der größten Herausforderungen der bisherigen Saison und hofft gleichzeitig darauf, dass möglichst viele Potsdamer die Mannschaft auf ihrer Reise begleiten.
„Schwäbisch Hall ist aus meiner Sicht eines der stärksten Teams der Liga. Das wird eine riesige Herausforderung, aber gleichzeitig wäre ein Sieg dort natürlich auch eine hervorragende Vorbereitung auf das Finale am 3. Oktober. Jetzt planen wir zunächst das Auswärtsspiel. Unser Partner Potsdam Bus fährt nach Schwäbisch Hall und es wird auch einen Fanbus geben. Wir freuen uns über jeden, der uns begleitet, und hoffen dort auf ein absolutes Spitzenspiel.“
Der erste Schritt in den Playoffs ist gemacht. 48:21 gegen die ifm Razorbacks Ravensburg, mehr als 500 Yards Offense und eine deutliche Leistungssteigerung nach der Halbzeit bringen die Royals ins Halbfinale. Jetzt wartet Schwäbisch Hall. Noch zwei Siege trennen Potsdam vom großen Ziel und der Chance, zum vierten Mal in Folge die deutsche Meisterschaft zu gewinnen.
Autor: PassionPress.eu




