Mit dem Beginn der Ligareform für die effect® Energy GFL wird die Anzahl der Teams nun Jahr für Jahr schrittweise reduziert. Daher rückt die Abstiegsgefahr stärker in den Blickpunkt als bisher. Zwei Teams müssen zum Ende der Saison in die zweite Liga, der Letzte aus dem Süden direkt, einer der beiden Siebten nach Playdowns gegeneinander.
Vor allem in der Süd-Gruppe richtet sich so der Blick schon am dritten Spieltag auf das Tabellenende. Fünf Mannschaften sind noch sieglos, mindestens eine weniger wird es nach den Samstagsspielen sein. Im Münchner Dantestadion kommt es zum ersten Bayern-Derby der Saison zwischen den Munich Cowboys und Regensburg Phoenix. München verlor vor zwei Wochen an gleicher Stätte zum Auftakt gegen Schwäbisch Hall. Aufsteiger Regensburg hat schon zwei Gelegenheiten zu Hause zum ersten Sieg im Oberhaus nicht nutzen können.
Defensiv hatten die Regensburger bisher ein schweres Los. Im ersten Spiel erlaubten sie Pforzheims Quarterback Drequan Harris vier Touchdown-Pässe, im zweiten Hildesheims Nelson Hughes drei. Beide gegnerischen Spielmacher waren am jeweiligen Spieltag mit jeweils über 300 Yards die eifrigsten Passer. Leichter wird es nicht in München: Der neue Cowboys-Quarterback Nicholas Semptimphelter überzeugte trotz Niederlage gegen die Unicorns vor zwei Wochen mit 270 Yards und zwei Scores.
Ebenfalls arge defensive Schwierigkeiten offenbarten Straubing Spiders und Allgäu Comets in ihren Auftaktspielen. Die beiden ligaweit bisher höchsten Niederlagen der Saison waren die Folge. Für den dritten Spieltag dürften die Hoffnungen der Straubinger auf eine Wende zum Besseren leicht größer sein – schließlich geben sie ihr Heimdebüt für die Saison im „Spider Dome“ am Peterswöhrd. Gegner Pforzheim Wilddogs allerdings gewann nicht nur in Regensburg, sondern stand auch letzte Woche gegen Nord-Playoff-Anwärter Berlin Rebels kurz vor dem möglichen zweiten Saisonsieg.
Der soll nun am Samstag in Straubing folgen. Die Vorjahres-Partie der beiden gewannen die Wilddogs deutlich zu Hause, nun sind sie das erste Mal seit 2017 wieder zu Gast in Straubing. Damals war ihr erster Anlauf auf den Aufstieg in die GFL 2 an zwei klaren Niederlagen gegen die Spiders gescheitert. Die Zeiten haben sich geändert: Diesmal sind die Pforzheimer der Favorit ebenso wie die ifm Razorbacks Ravensburg im zweiten baden-württembergisch-bayerischen Duell gegen die Allgäu Comets. Trotz Landesgrenze dazwischen: Die Partie in Ravensburg am Sonntag hat Derby-Charakter, trennen die beiden GFL-Nachbarn doch nur rund 50 Kilometer Luftlinie.
Was des einen Leid ist – die Abstiegsgefahr in der effect® Energy GFL – ist des anderen Freud’: Ein GFL-2-Team kann dieses Jahr direkt aufsteigen. Vier der heißesten Anwärter sind am 23. Mai in den Spitzenspielen von GFL 2 Nord und GFL 2 Süd beteiligt. Im Norden erwarten die Krefeld Ravens die Rostock Griffins zum Heimdebüt für diese Jahr. Beide gewannen ihre letzten Spiele nicht nur deutlich, sondern auch gleich zu Null. Ebenso wie im Hessen-Derby zwischen Gießen Golden Dragons und dem ungeschlagenen Süd-Tabellenführer Wiesbaden Phantoms gibt es da erste Hinweise darauf, wer am Ende den Weg in die ersten GFL-2-Playoffs schaffen dürfte.
Auch in der ersten Liga geht es natürlich nicht nur gegen den Abstieg, sondern ebenfalls um die Playoffs. In dieser Hinsicht geht am Samstag der Blick nach Niedersachsen und ins Saarland. In Hildesheim erwarten die Invaders die Düsseldorf Panther, in Neunkirchen die Saarland Hurricanes die Schwäbisch Hall Unicorns. Sowohl die rheinischen Raubkatzen als auch die Wirbelstürme von der Saar haben ihr erstes Saisonspiel verloren – beide gegen (Mit-)Favoriten der Liga. Invaders und Unicorns wiederum gehen nach jeweils zwei deutlichen Siegen zwar als ungeschlagene Tabellenführer ins dritte Spiel – noch ist aber unklar, ob sie wirklich schon vor echten Härtetests standen.
Vergangenes Jahr gewann bei Hildesheim vs. Düsseldorf jeweils das Heimteam knappe Spiele mit einem Field Goal Vorsprung, die Unicorns siegten gegen die Saarländer einmal mit vier und einmal erst nach Verlängerung mit zwei Punkten. Vor allem deswegen waren sie 2025 als einziges dieser vier Teams in den Playoffs. Invaders und Unicorns gelten inzwischen nach überstandenen Umbruchphasen als reif für mehr, die Panther auf Basis ihrer erfolgreichen Jugendarbeit und einigen bemerkenswerten Neuzugängen ebenfalls.
Und die Saarländer? Sie setzen dieses Jahr in Craig Kuligowski auf einen neuen Head Coach und mit Norman Douglas Jr. auf einen neuen amerikanischen Quarterback. Vor allem dessen Zusammenspiel mit dem aus Helsinki geholten Receiver Joshua Youngblood, der trotz Niederlage gegen Ravensburg 185 Yards Raumgewinn holte, macht Hoffnung. Die Hurricanes können am Samstag entweder einem direkten Konkurrenten einen überraschenden Strich durch die Rechnung machen – oder müssen eben doch die Augen auf die Abstiegszone richten.
Ferner steht am Samstag der zweite Auftritt des Titelverteidigers an. Der dreifache Meister Potsdam Royals erwartet dabei Rekordmeister Braunschweig Lions, der das Kunststück, vier Meisterschaften in Folge zu holen, schon zweimal vollbracht hat. Dass die Braunschweiger maßgeblich Einfluss darauf nehmen könnten, dies den Potsdamern diese Saison zu verwehren, ist aber eher nicht abzusehen. Nach der Heimniederlage gegen Kiel liegen die Braunschweiger erst einmal auf dem Playdown-Platz im Norden. Playoff-Hoffnungen können in der effect® Energy GFL 2026 auch für große Namen schnell in Abstiegssorgen umschlagen.



