Foto: Foot Bowl/Sebastian Just
Jetzt zählt nur noch der nächste Sieg. Nach einer außergewöhnlichen Regular Season starten die Potsdam Royals am Samstag, 12. September, in die Playoffs der Effect Energy GFL. Im Viertelfinale empfangen die Royals um 15 Uhr die ifm Razorbacks Ravensburg im Stadion Luftschiffhafen. Für beide Mannschaften beginnt damit die entscheidende Phase der Saison. Wer gewinnt, zieht ins Halbfinale ein, für den Verlierer ist die Spielzeit beendet. Potsdam geht mit einer Bilanz von 11:1 als Zweiter der Nordgruppe in die Postseason. 583 erzielten Punkten stehen lediglich 79 Gegenpunkte gegenüber. Vor allem die Defense sorgte zum Ende der Hauptrunde für eine historische Serie. Fünfmal in Folge blieben die Royals ohne einen einzigen Gegenpunkt. Die Partien gegen Hildesheim, Düsseldorf, Braunschweig, Kiel und München endeten zusammengerechnet 290:0. Fünf Shutouts hintereinander hatte es zuvor in der Effect Energy GFL noch nie gegeben.

Doch mit Beginn der Playoffs verlieren Rekorde und Tabellenstände einen großen Teil ihrer Bedeutung. Die bisherigen Erfolge haben den Royals das Heimrecht für das Viertelfinale eingebracht, mehr aber auch nicht. Mit Ravensburg wartet ein Gegner, der seine Qualität über die gesamte Saison bewiesen hat und nur denkbar knapp am zweiten Platz im Süden vorbeigeschrammt ist. Für die Royals beginnt damit nach Wochen deutlicher Siege eine völlig neue Situation: 60 Minuten entscheiden über Weiterkommen oder Saisonende.
Ravensburg verpasst Heimrecht denkbar knapp
Die Razorbacks beendeten die Regular Season mit acht Siegen und vier Niederlagen sowie 428:238 Punkten auf Rang drei im Süden. Dabei lagen die Oberschwaben am Ende sogar gleichauf mit den zweitplatzierten Pforzheim Wilddogs. Auch der direkte Vergleich brachte keine Entscheidung. Pforzheim gewann das erste Duell mit 28:10, Ravensburg revanchierte sich im Rückspiel mit exakt demselben Ergebnis. Nach beiden Begegnungen stand es damit 38:38. Erst die Spielpunktedifferenz der gesamten Saison entschied zugunsten der Wilddogs, die die Hauptrunde mit 403:164 Punkten abschlossen. Für Ravensburg bedeutete das Rang drei und die Reise zum Nord-Zweiten nach Potsdam.
Das letzte Ergebnis der Gäste sollte dabei niemanden zu falschen Schlüssen verleiten. Zum Abschluss der Regular Season unterlag Ravensburg dem ungeschlagenen Nordmeister Dresden Monarchs mit 21:52. Gerade im zweiten Viertel zeigten die Razorbacks allerdings, warum sie zu den gefährlichen Mannschaften der Liga gehören. Nach einem 0:21-Rückstand stellte die Offense ihre Formation um und verkürzte zwischenzeitlich auf 14:21. Erst danach setzte sich Dresden vor 6.224 Zuschauern entscheidend ab. Die Razorbacks mussten in dieser Partie zudem mehrere personelle Ausfälle verkraften. Nummer-eins-Receiver Anthony Harris Jr. fehlte nach seinem Fußbruch, auch Wide Receiver Aniel Buße stand nicht zur Verfügung.
McGovern führt eine explosive Passing Offense
Eine der wichtigsten Aufgaben für die Potsdamer Defense wird es sein, Ravensburgs Quarterback Broghean McGovern unter Kontrolle zu bekommen. Der Spielmacher der Razorbacks gehört statistisch zu den produktivsten Quarterbacks der Effect Energy GFL. In der Regular Season brachte er 220 seiner 380 Passversuche an und kam auf 3.455 Passing Yards sowie 39 Touchdown-Pässe. Sein längster Pass brachte 80 Yards Raumgewinn, gleichzeitig stehen 14 Interceptions in seiner Saisonstatistik. Damit trifft die historische Potsdamer Defense auf einen Quarterback, der jederzeit in der Lage ist, mit wenigen Spielzügen große Distanzen zu überwinden. Dass Ravensburg seine Offense während eines Spiels erfolgreich anpassen kann, zeigte sich ebenfalls in Dresden. Nachdem das Laufspiel auf dem nassen Untergrund zunächst kaum funktionierte, öffneten die Razorbacks ihre Formation und stellten die Monarchs damit zeitweise vor erhebliche Probleme.
Eine zentrale Rolle spielt dabei Wide Receiver Tim Müller. Er fing während der Regular Season 45 Pässe für 907 Yards und zehn Touchdowns. Besonders auffällig sind seine durchschnittlich 20,2 Yards pro Reception, sein längster Catch ging über 78 Yards. Auch gegen Dresden gehörte Müller zu den Scorern und fing McGoverns Pass zum ersten Ravensburger Touchdown. Eine weitere wichtige Personalie ist Aniel Buße. Er sammelte im Saisonverlauf 82 Punkte und gehört damit zu den erfolgreichsten Scorern der Liga. Für die Potsdamer Passverteidigung wartet somit eine deutlich andere Herausforderung als in einigen der vergangenen Wochen.
Ravensburg bringt auch defensiv Qualität mit
Die Playmaker der Razorbacks stehen jedoch nicht nur auf der offensiven Seite des Balls. Besonders Ben Rashid dürfte für die Potsdamer Offensive Line eine der wichtigsten Aufgaben des Nachmittags werden. Der Ravensburger kommt auf 53 Tackles und 11,5 Sacks. Zusätzlich erzwang er zwei Fumbles und fing eine Interception. Auch Alex Mashak gehört zu den Leistungsträgern der Ravensburger Defense. Seine Bilanz nach der Regular Season: 61 Tackles, zwei Sacks, zwei Forced Fumbles und eine Interception. Die Zahlen zeigen, dass die Royals nicht nur McGovern und dessen Offense im Blick haben dürfen. Auch Ravensburgs Defense besitzt die individuelle Qualität, Fehler unmittelbar zu bestrafen und durch Ballverluste den Verlauf eines Playoffspiels zu verändern.

Potsdams Offense wird deshalb darauf bedacht sein, den eigenen Quarterback zu schützen und unnötige Ballverluste zu vermeiden. Gleichzeitig bringt sie selbst reichlich individuelle Qualität mit. Maximilian McLeod beendete die Regular Season mit 116 Punkten als erfolgreichster Scorer der Effect Energy GFL. Der Wide Receiver fing 68 Pässe für 1.156 Yards und 17 Touchdowns, sein längster Catch ging über 99 Yards. Beim 59:0 gegen München funktionierte die Verbindung mit Hugh „Bay“ Harvey bereits eindrucksvoll. Gleich viermal fanden sich Harvey und McLeod zum Touchdown. Auch Heiko Bals gehört mit 97 Punkten zu den erfolgreichsten Scorern der Liga. Damit verfügt Potsdam neben seiner zuletzt kaum zu überwindenden Defense auch offensiv über genügend Möglichkeiten, Ravensburg auf unterschiedliche Weise unter Druck zu setzen.
Historische Serie trifft auf Playoff-Realität
61:0 in Hildesheim, 49:0 in Düsseldorf, 61:0 in Braunschweig, 60:0 gegen Kiel und schließlich 59:0 gegen die Munich Cowboys: Seit fünf Spielen hat kein Gegner mehr gegen die Potsdam Royals gepunktet. Die insgesamt 290:0 Punkte in diesem Zeitraum stehen für eine historische Defensivserie. Gerade gegen Ravensburg dürfte die Potsdamer Passverteidigung nun aber wesentlich stärker gefordert werden. McGovern hat mit seinen 39 Touchdown-Pässen gezeigt, dass er Fehler konsequent bestrafen kann. Seine 14 Interceptions zeigen gleichzeitig, dass sich Chancen ergeben können, wenn die Royals Druck erzeugen und ihn zu schnellen Entscheidungen zwingen.
Für Defensive Captain Ruben De Ruyter, der die Potsdamer Defense seit 2023 als Team Captain anführt, ist klar, dass nun eine andere Intensität wartet. Gleichzeitig hofft er auf die Unterstützung der Potsdamer Fans:
„Playoff-Football ist das Beste, was es gibt. Es heißt: gewinnen oder nach Hause gehen. Dadurch steht noch einmal dreimal so viel auf dem Spiel. Mit den ifm Razorbacks kommt der Drittplatzierte aus dem Süden und ein Gegner, der auch hier oben im Norden mitspielen kann. Dazu haben wir wie immer eine großartige Atmosphäre und ein tolles Event rund um das Spiel. Wahrscheinlich wird es in diesem Jahr leider unser einziges Playoff-Heimspiel sein. Deshalb: Seid dabei bei unserem letzten Heimspiel.“
Ein Spiel ohne zweite Chance
Die Voraussetzungen unterscheiden sich grundlegend von denen der vergangenen Wochen. Während Potsdam seinen zweiten Tabellenplatz bereits vor dem abschließenden 59:0 gegen München sicher hatte, gibt es jetzt keine taktischen Überlegungen für die Woche danach. Das Viertelfinale ist ein klassisches Do-or-die-Spiel. Der Sieger zieht ins Halbfinale ein, für den Verlierer endet die Saison. Die Regular Season mit elf Siegen, 583 erzielten Punkten und dem historischen Lauf der Defense hat den Royals eine hervorragende Ausgangsposition und das Heimrecht verschafft. Ab dem Kickoff zählt davon jedoch nichts mehr.
Für Potsdam dürfte es gleichzeitig der letzte Heimauftritt dieser Saison sein. Umso größer ist die Bedeutung der Unterstützung von den Rängen. Die Royals haben sich mit einer 11:1-Bilanz und fünf Shutouts in Folge in Position gebracht. Nun kommt mit Ravensburg ein Gegner, der selbst acht Saisonspiele gewonnen hat, über einen der produktivsten Quarterbacks der Liga verfügt und sein eigenes Playoff-Heimspiel erst im letzten Tiebreaker verloren hat. Genau diese Konstellation verspricht ein Viertelfinale, das mit den deutlichen Ergebnissen der vergangenen Wochen nur noch wenig gemeinsam haben dürfte.
Großes Fanfest vor dem Viertelfinale
Auch rund um das Playoffspiel erwartet die Fans ein umfangreiches Programm. Bereits vor dem Kickoff wird das Fanfest zum Treffpunkt für die Royals-Familie. Für die musikalische Begleitung sorgt Robert Bernier, Potsdams „wandelnde Jukebox“. Von 13:00 bis 14:30 Uhr gestaltet er sein Programm gemeinsam mit dem Publikum, seine Setlist entsteht live und Mitsingen ist ausdrücklich erwünscht.

Football kann an diesem Nachmittag auch selbst ausprobiert werden. Bei „Beat the Pro“ können Fans ihre Wurfgeschwindigkeit testen und versuchen, den Ball schneller als die Quarterbacks der Royals zu werfen. Wer teilnimmt, erhält ein Vita Well, für besonders starke Würfe sind zusätzliche Preise vorgesehen. Bei „Kick the Ball“ können sich die Besucher dagegen selbst als Kicker versuchen und den Ball wie Heiko Bals auf die Reise schicken.
Auch Tätowiererin Sonny ist wieder dabei. Fans können außerdem ihre eigene Trading Card erstellen, bei der Tombola auf attraktive Gewinne hoffen und beim Merchandise von einem besonderen Rabatt als Dankeschön für die Unterstützung während der Saison profitieren. Nach dem Spiel ist der Tag ebenfalls noch nicht vorbei: Beim Meet & Greet auf dem Fanfest können die Besucher ihre Lieblingsspieler treffen, Autogramme sammeln und gemeinsame Fotos machen. Damit ist auch abseits des Feldes alles für einen besonderen Playoff-Tag angerichtet.
Potsdam braucht seine Fans
Elf Siege haben die Royals bis hierhin gebracht. Fünf Shutouts in Folge haben Geschichte in der Effect Energy GFL geschrieben. 583 Punkte stehen für eine der produktivsten Mannschaften der Saison. Doch keiner dieser Erfolge bringt Potsdam automatisch ins Halbfinale. Dafür braucht es am 12. September noch einmal 60 Minuten Playoff-Football gegen einen Gegner, der mit 3.455 Passing Yards und 39 Touchdown-Pässen seines Quarterbacks genügend Argumente mitbringt, um den Royals alles abzuverlangen.
Potsdam Royals gegen ifm Razorbacks Ravensburg, Samstag, 12. September 2026, Kickoff 15:00 Uhr, Stadion Luftschiffhafen in Potsdam. Für die Royals geht es um das Ticket für das Halbfinale und wahrscheinlich zum letzten Mal in dieser Saison vor heimischer Kulisse um einen Sieg. Die Regular Season ist vorbei. Die Rekorde sind geschrieben. Jetzt beginnt die Zeit, in der ein einziges Spiel über den weiteren Weg entscheidet.




