Vor vier Jahren spielten die Pforzheim Wilddogs noch in der Regionalliga, nun schicken sie sich an, bis an die absolute Spitze der effect® Energy GFL Süd vorzustoßen. Die direkten Konkurrenten sind in den kommenden Wochen die Gegner. Am ersten Juli-Samstag gastieren die Pforzheimer bei den ifm Razorbacks Ravensburg, gegen die sie im Hinspiel mit 28:10 gewannen. Zwei Wochen später empfangen sie den aktuellen Tabellenführer aus Schwäbisch Hall in der heimischen KRAMSKI Arena, wieder 14 Tage später die Munich Cowboys.
Den Sprung auf Rang eins haben die Pforzheimer damit in der eigenen Hand. Nach dem dritten Platz als Aufsteiger im letzten Jahr, als man nur knapp am zweiten Rang vorbeischrammte, hat sich die 2025 schon starke Defense noch einmal gesteigert. Waren es letzte Saison noch 24 Gegenpunkte pro Spiel, ist dieser Wert für 2026 vorläufig auf unter zehn gedrückt. Zwei Shutouts gab es bei den bisherigen sieben Gelegenheiten, so auch letzte Woche beim 35:0 in Kempten.
Vom Druck der eigenen Defensive Line profitiert die Secondary um Martin Körber, Marcel Barth und Konstantin Katz, die mit ihren Interceptions gegnerischen Quarterbacks das Leben schwer machen. Das betraf im Hinspiel in Pforzheim auch Ravensburgs Broghean McGovern, der nicht nur unter anderem zweimal von Nathan Kalemba zum Quarterback Sack erwischt wurde, sondern unter dem ständigen Druck auch drei Interceptions warf.
Auf eigenem Platz und mit den Erkenntnissen aus dem Hinspiel werden die ifm Razorbacks die Karten neu mischen wollen. Müssen sie auch, denn wenn sie als letztjähriger Südmeister dieses Jahr noch ganz vorn mitspielen wollen, müssen sie zwingend den Sieg gegen Pforzheim holen. McGovern glänzte in vielen bisherigen Spielen und hat einmal mehr überdurchschnittliche Statistikwerte vorzuweisen. Der Makel ist nur, dass gegen starke Verteidigungen sowohl beim Hinspiel in Pforzheim als auch letzte Woche beim 0:28 in Schwäbisch Hall unter Druck kein einziger Touchdown-Pass gelang und gegen die Potsdam Royals erst spät, als die Niederlage bereits feststand.
Schwäbisch Hall kam gegen die Ravensburger zum ersten Shutout-Erfolg der Saison. Für die Unicorns geht die Reise am Samstag nach Regensburg, wo Aufsteiger Phoenix nach vier spielfreien Wochen zurück aufs Feld kommt. Vor ihrer Sommerpause hatten die Regensburger bei einem anderen ehemaligen mehrfachen deutschen Meister in Düsseldorf ihren ersten Sieg in der effect® Energy GFL holen können.
Dennoch wird man den Monat Juni nicht zum Feiern genutzt haben, sondern zur Vorbereitung, gewiss auch gezielt auf den kommenden Gegner. Dies kann ein mächtiger Vorteil im American Football sein, jeder zusätzliche Tag der Videoanalyse ist Gold wert. Was Phoenix-Coaches und Spieler in dieser Zeit von den Unicorns zu sehen bekamen, dürfte ihren Respekt nicht geschmälert haben: Mit zwei deutlichen Siegen gegen andere Playoff-Aspiranten des Südens aus München und Ravensburg verteidigten die Unicorns ihre Tabellenführung.
Für Regensburg Phoenix wäre da schon ein achtbares Resultat ein ehrenwertes Ziel – die wichtigen Partien im Kampf gegen den Abstieg gibt es für die Oberpfälzer erst in den Wochen danach. Jubeln durften sie nicht nur direkt in Düsseldorf, sondern letzte Woche gleich noch einmal: Konkurrent Saarland Hurricanes verlor sein Heimspiel gegen die Düsseldorf Panther knapp mit 14:16, vor allem wegen eines verlorenen Fumbles in einer kritischen Phase im dritten Viertel.
Für die Saarländer steht direkt das nächste Interconference-Spiel an, als Gäste der Braunschweig Lions. Die Niedersachsen haben nach einem wenig erbaulichen Start in die Spielzeit Tritt gefasst. Ihrem Sieg in Düsseldorf ließen sie ein klares 55:28 in Straubing folgen. Auch bei den Spiders lief bei den Lions defensiv einiges nicht rund, zwischenzeitlich stand es 28:28. Danach aber ließen die Braunschweiger ihre offensiven Muskeln spielen. Am Ende hatte Ryon Thomas sieben Touchdown-Pässe geworfen. Vor allem Receiver Peter Anderson wirbelte trotz der Hitze fast nach Belieben über’s Feld, dazu sorgte Braunschweigs Verteidigung mit mehreren eroberten Bällen dafür, dass das Ergebnis am Ende noch deutlich war.
Für Braunschweig eröffnet sich so die Perspektive auf die Playoffs. Entscheidend werden die späteren Partien gegen Hildesheim und Berlin, doch ein Sieg gegen die Saarland Hurricanes könnte gerade gegenüber Berlin ein kleines Polster bringen. Der momentane Rückstand der Berlin Rebels in der Tabelle mag zwar zu großen Teilen der Schwere ihres bisher absolvierten Programms zu verdanken sein. Doch ändert dies nichts daran, dass sie es sind, die in dieser Ausgangslage den höheren Druck haben, unbedingt gewinnen zu müssen.
Und Widrigkeiten mussten die Rebels dieses Jahr schon einige hinnehmen. Wegen der Gefahr von Eichenprozessionsspinnerraupen konnten sie zeitweise ihr Trainingsgelände nicht nutzen, letzte Woche fiel das geplante Heimspiel gegen Hildesheim kurzfristig der Hitze zum Opfer. Begonnen hatte die Saison mit dreieinhalb vielversprechenden Vierteln gegen Meister Potsdam Royals, ehe der erste Nackenschlag kam, als die Royals die Partie kurz vor Schluss noch drehten.
Nun steht dazu das Rückspiel in Potsdam an, und wieder ist das zu diesem Zeitpunkt für die Rebels wohl ein wenig Pech: Die Potsdamer verspielten letzten Samstag im Spitzenspiel gegen Dresden mit einem 22:24 ihre Tabellenführung und damit wohl auch ihr Heimrecht für ein potenzielles Halbfinale. Mit zwei Niederlagen der Dresdener aus deren fünf Spielen nach der Sommerpause rechnet wohl niemand. Alles, was den Potsdamer nun mit ein wenig Wut im Bauch bleibt, ist, dem Rest der Konkurrenz klar zu machen, wie stark man trotz des Ausrutschers immer noch ist.
Wiedergutmachung vor den eigenen Fans dürfte angestrebt sein, und da kommen die Berlin Rebels als Gegner im Berlin-Brandenburg-Derby gerade recht – auch wegen des Verlaufs im Hinspiel. Schon letztes Jahr hatten die Rebels sich zu Hause sehr achtbar gegen die Potsdamer aus der Affäre gezogen, standen im Rückspiel in Potsdam aber auf verlorenem Posten. Nun müssten sie beweisen, dass ihre Neuverpflichtungen der Saison tatsächlich dazu geführt haben, dass man auch in dieser Situation den Royals ein Spitzenspiel liefern kann.




