Pforzheim im Saarland weiter auf Kurs?

Nach den ersten fünf Wochen der Saison 2026 in der effect® Energy GFL schält sich in der Süd-Gruppe bereits eine Zweiteilung heraus. Die drei Mannschaften aus Baden-Württemberg sowie die Munich Cowboys aus der bayerischen Landeshauptstadt haben bislang kein Spiel gegen eines der übrigen vier Teams verloren, traten dabei auch auswärts überwiegend souverän auf.

Sollte einer der Herausforderer der unteren Tabellenhälfte daran noch etwas ändern wollen, wird es langsam Zeit dafür. Eine Gelegenheit bietet sich den Saarland Hurricanes am Sonntag in Neunkirchen. Dann empfangen die Wirbelstürme von der Saar die Pforzheim Wilddogs. Die dürften gewarnt sein und haben auch noch eine kleine Rechnung mit den Hurricanes offen: Letztes Jahr hatten die Saarländer am letzten Spieltag in Pforzheim überraschend gewonnen, was die Wilddogs den Heimvorteil im Viertelfinale kostete.

Die Vorzeichen weisen für beide Clubs in etwas verschiedene Richtungen. Für die Saarländer gilt 2026 als Jahr der Konsolidierung, in kleinen Schritten wollen sie sich wieder nach oben orientieren, aber nicht zwingend sofort. Pforzheim dagegen hat sich im Winter gezielt verstärkt und peilt nach dem dritten Platz im ersten Jahr in der effect® Energy GFL Süd diesmal das an, was die Saarländer ihnen 2025 vermasselten: das Viertelfinale zu Hause.

Spätestens seit dem 28:10-Heimerfolg gegen Vorjahres-Gruppensieger Ravensburg vor zwei Wochen ist dieses Ziel auch in Reichweite. Vielleicht sogar der erste Platz? Einen Sieg Rückstand haben die Pforzheimer auf die Schwäbisch Hall Unicorns, gegen die sie Mitte Juli das Heimrecht im einzigen Spiel der beiden gegeneinander haben werden.

Die noch ungeschlagenen Unicorns starteten ihren Siegeslauf 2026 in München. Diesen Samstag erwarten sie die Munich Cowboys zum Rückspiel. Im Rahmen ihres Charity Games in Zusammenarbeit mit örtlichen Organisationen der Krebshilfe werden die Unicorns dabei zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte in pinken Trikots auflaufen. Die Premiere dieses Outfits brachte letztes Jahr (gegen Pforzheim) in Aalen eine Overtime-Niederlage.

Diesmal soll der Sieg auch in pink gelingen, der glatte 52:27-Sieg im Hinspiel macht ja Mut. Doch seither hat Cowboys-Quarterback Nick Semptimhelter einen immer besseren Draht vor allem zu Wide Receiver Gabriel Boccella gefunden. Aktuell führt Semptimhelter so die Süd-Statistik der Quarterbacks an. Was die Zahlen tatsächlich wert sind, kann er am Samstag gegen die Unicorns-Verteidigung und vor den Augen des Unicorns-Meister-Quarterbacks von 2011 Aaron Boehme, der seinen Besuch angekündigt hat, zeigen.

Die Unicorns dürften zwei Wochen nach ihrem Sieg in Berlin selbstbewusst auf dem eigenen Rasen auflaufen. Den zweiten Süd-Sieg in einem der Interconference-Duelle lieferte ebenfalls auswärts letzte Woche ausgerechnet Aufsteiger Regensburg Phoenix in Düsseldorf. Damit erhöhten die Regensburger den Druck auf die beiden noch sieglosen Schlusslichter Allgäu Comets und Straubing Spiders.

Beide stehen sich jetzt unter verschärften Bedingungen am Samstag in Kempten zum einzigen Spiel gegeneinander gegenüber. Da am Ende der direkte Vergleich zählt, wird der Verlierer dieser Begegnung danach wohl zweimal öfter gewinnen müssen als der Sieger, um den direkten Abstieg als Achter zu vermeiden. Die Straubing Spiders haben vor zwei Wochen bereits ihr einziges Spiel des Jahres gegen die Saarland Hurricanes verloren. Schmerzlich, denn beim 16:21 war Straubing bis in die Schlussphase hinein in Schlagdistanz. Mehrere Turnovers und verpasste Chancen verhinderten jedoch den ersten Saisonsieg.

„Definitiv ein Must Win für uns“ – Spiders-Head-Coach Head Coach Bence Lukacs redet nicht groß darum herum, welche Bedeutung das Spiel gegen die Comets hat. Bereits vor Saisonbeginn habe man gewusst, dass die entscheidenden Wochen Ende Mai und im Juni liegen würden. Gegen Saarland, die Comets, München und Braunschweig wollte man sich vor der Sommerpause ein wichtiges Polster erarbeiten. Nach der Niederlage gegen die Hurricanes wird dies nur noch gelingen können, wenn es in Kempten mit dem ersten Saisonsieg klappt.

Der etatmäßige Quarterback David Perkins war zuletzt verletzt, ob er wieder ganz fit ist oder Alexander Biebl ran muss, wollte man in Straubing noch nicht verraten. Allgäus Defense war bisher noch nicht allzu sattelfest, die Comets werden ihre Chancen möglicherweise eher im Angriff suchen. Quarterback Brad Jones setzte öfter explosive Akzente im Passspiel. Auch für die Allgäuer ist es ein „Schicksalsspiel“.

Regensburgs Sieg in Düsseldorf hat auch auf die effect® Energy GFL Nord seine Auswirkungen. Die größten Erwartungen an die Düsseldorf Panther aus dem Vorfeld sind zurechtgestutzt worden. Aber: Noch ist Platz vier in Reichweite und für die bisher sieglosen Rheinländer nur einen Sieg entfernt. Wenn die Panther am Samstag bei den Kiel Baltic Hurricanes zu Gast sind, wird sich zeigen, wer von diesen beiden am ehesten am Ende tatsächlich um die Playoff-Plätze mitspielen kann.

Diese Frage stellt sich beim Spiel in Braunschweig in der aktuellen Lage nicht: Die ebenfalls bisher sieglosen Braunschweig Lions dürften gegen die noch ungeschlagenen Dresden Monarchs und deren namhaftes und souveränes Angriffsspiel um Quarterback Rocky Lombardi und Receiver Montigo Moss auf Schadensbegrenzung aus sein. Das Hinspiel in Dresden gewannen die Monarchs zum Saisonauftakt mit 47:8. Für die Lions wird es wichtig sein, am Verlauf des Rückspiels zu erkennen, wie weit man beim eigenen Neuaufbau in den fünf Wochen seither gekommen ist.