„There are three phases of the game“, ist eine oft verwendete und manchmal belächelte Erinnerung von Special Teams Koordinatoren, um ihren Spielern die Bedeutung der Kicking, Punting und Returning Teams ins Bewusstsein zu rufen. Wie Recht sie damit haben, zeigte sich einmal mehr im Duell des letztjährigen Aufsteigers Leipzig Lions gegen den diesjährigen Aufsteiger aus Minden.
Bereits im Vorfeld des Aufeinandertreffens im Camillo Ugi Sportpark, der Heimstätte der Löwen, rechneten viele mit einem engen Partie. Während sich die Ostfestwalen in der Offseason mit viel individueller Klasse auf beiden Seiten des Balles verstärkt hatten, setzten die Lions im Kern auf den erfahrenen und eingespielten Kader des Vorjahres, den man nur punktuell verstärkt hatte. Angesichts der hochkarätig besetzten Offensiven beider Teams konnten Fans durchaus auf ein Punktefeuerwerk hoffen.
Doch nach dem Anpfiff zeigte sich schnell, dass die Verteidigungen beider Teams bestens, auf ihre Gegner eingestellt waren. Den Gastgebern gelang es von Beginn an auch ohne zusätzliche Blitzer, Druck auf QB Darrius Sample (#3) zu erzeugen, sodass das gefährliche Passspiel um WR Willie Fedd jr. (#1) und Ray’Shon Fletcher (#4) zunächst nicht in Szene gesetzt werden konnte. Auch auf Seiten der Gäste war die Defensive von Beginn an wach und auch die Lions mussten das Feld schnell wieder räumen. Sinnbildlich für den weiteren Verlauf des Tages war es ein Special Team, dass für das erste Highlight sorgte. Beim vierten Down mit 3 Yards zu gehen an der Mittellinie, zeigten sich die Wölfe hungrig und spielten einen Fake Punt über Kenneth Patten Jr. (#45). Der wuchtige Linebacker schnappte sich den Snap direkt und lief nicht nur zum First Down, sondern auch noch weitere zehn Yards, bevor ihn die überraschten Leipziger zu Boden ringen konnten. Schnell fing sich jedoch die Leipziger Defensive und so standen die Mindener nur kurz darauf vor einem Dritten und 17 an der Mittellinie. Zum ersten Mal an diesem Tag konnte Fedd jr. nun sein Können aufblitzen lassen, als er sich umgeben von Lions Verteidigern hochschraubte und den Ball an der 1-Yard-Linie zu einem neuen First Down fing. Diese Gelegenheit ließ sich der Aufsteiger nicht mehr nehmen und so lief Sample selbst kurz darauf den Ball zum Touchdown mit anschließendem PAT in die Endzone.
Nachdem es die Offensive verpasst hatte, direkt zu antworten, war es der Leipziger Cornerback Malchi Ruffin (#11), der den Ball von Sample abfing und zurück in die Endzone trug und so bereits im ersten Defensiv-Spielzug nach dem Touchdown der Gäste für den Ausgleich sorgte. Es folgte ein Schlagabtausch beider Teams, der vor allem durch den starken Pass Rush auf beiden Seiten geprägt war. Insbesondere Isaiah Ward (#97, Minden Wolves) und Robert Krauß (#95, Leipzig Lions) schienen eine Tageskarte für das gegnerische Offensive Backfield gezogen zu haben. Die QB Sample und Bodman waren regelmäßig auf der Flucht. Entsprechend kamen auch bis kurz vor Ende der ersten Halbzeit keine weiteren Punkte mehr aufs Scoreboard. Mit wenigen Sekunden auf der Spieluhr trat der Leipziger Kicker Dominik Banse aus 50-Yard Entfernung an. Mit einem schnörkellosen Schuss verwandelte der ehemalige Fußballer, der einst in der Jugend des 1. FC Magdeburg ausgebildet wurde, den Field Goal Versuch zum Halbzeitstand von 10:7.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam die Offensive der Ostwestfalen nun besser ins Rollen. Durch erfolgreiche Läufe von QB Sample und seinem RB Jordon McKenzie (#6) arbeitete man sich an die Endzone der Leipziger heran, bevor man mit Tobias Pauls (#85) per Field Goal zum 10:10 ausgleichen konnte. Nachdem sich der Angriff der Lions auch mit Strafen das Leben schwer machte, war es ein 40-Yard Pass von Sample auf Fletcher, der erneut für Punktegefahr sorgte. Doch nach einer Strafe und drei erfolgreichen Stops durch die Löwen, segelte der Kick von Pauls diesmal aus 23-Yard Entfernung an den Goal Posts vorbei.
Was sich den rund 600 Zuschauern nun in den finalen Spielzügen bot, war an Nervenkitzel kaum zu überbieten. Nach einem missglückten Offensive Drive der Hausherren war es erneut die Defensive Line, die in Aktion trat. Der tunesische Nationalspieler Alexander Jelali (#97) und sein Pendant Chris Römer (#10) trieben Sample aus der Pocket. Der Verzweiflungswurf von Sample segelte an Freund und Feind vorbei – erneut in die Arme von Ruffin, der den Ball für 47 Yards an die gegnerische 35-Yard-Linie retournierte. Es fehlte nicht viel zu der Distanz, die Dominik Banse im Bein hat, aber die Zeit lief dem Heimteam davon. Bei dem Versuch eine noch bessere Feldposition zu erarbeiten, brach der Lauf von Luca Brinner (#27) plötzlich durch und dieser marschierte in Richtung Mindener Endzone. Doch an der 12-Yard-Linie war Linebacker Kevin Henson-Neal (#8) zur Stelle und schlug den Ball aus Brinners Griff. Fumble! Geistesgegenwärtig gelang es WR Jan Rubitzko (#18), sich auf den freien Ball zu werfen. Mit einer Sekunde auf der Uhr trat somit nun Dominik Banse erneut an – und bewies Nerven aus Stahl. Mit dem „game on the line“ verwandelte er seinen Kick zum Endstand von 13:10.
Mit dem Auftaktsieg gegen die Minden Wolves haben die Lions nun einen wichtigen Grundstein für den Klassenerhalt gelegt. Der nächste Härtetest folgt für Minden am kommenden Samstag (16. Mai) gegen den Aufstiegsaspiranten aus Krefeld. Die Leipziger können sich nun eine Woche erholen, bevor sie am 23. Mai in den hohen Norden zu den Elmshorn Fighting Pirates reisen.
Foto: Aleksandra Shubina



