Leipzig Lions fordern den Nordmeister aus Krefeld

Die Leipzig Lions laufen zum Heimspiel im Camillo Ugi Sportpark auf.

Knapp zwei Monate nachdem das geplante Spiel zwischen den Leipzig Lions und den Krefeld Ravens den heißen Temperaturen in Leipzig von über 40 Grad zum Opfer gefallen war, hieß es nun: Nachholspiel zwischen dem ungeschlagenen Tabellenführer aus Krefeld und dem Tabellenvierten der GFL2 bei britischem Wetter im Camillo-Ugi Sportpark in Markkleeberg. An der Tabellensituation sollte das Spiel nichts mehr verändern, doch an Motivation fehlte es keinem der beiden Teams. Die Ravens brauchten den Sieg zur Vollendung ihrer „Perfect Season“ und die Lions witterten nach zwei deutlichen Siegen gegen Elmshorn und Minden die Chance, sich vor heimischem Publikum noch auf einen 5-5 Record verbessern zu können.

Der erste Drive des Spiels ging an die Krefelder. QB Christian Arrambide (#4) und sein Ausnahme-RB Akiva Wedge (#6) führten die Krefelder zum ersten Touchdown des Spiels. Mit einer Two-Point-Conversion wollten die Gäste frühzeitig ein Zeichen setzen. Noch kurz zuvor hatte man in der Presse verlauten lassen, dass man mit mehr als 35 Zählern Differenz gewinnen wolle, um die Lions für die Neuansetzung zu „bestrafen“. Doch diese Rechnung hatten die Ravens ohne die starke Defensive der Messestädter gemacht. Der Lauf von Akiva Wedge wurde durch geballten Krafteinsatz der Defense gestoppt, sodass sich die Gäste zunächst mit einer 0:6 Führung begnügen mussten. In den folgenden Drives zeigten die Verteidigungsreihen auf beiden Seiten, wieso sie zu den besten der Nord-Staffel gehören. Auch die Special Teams wussten an diesem Tag zu überzeugen. Nachdem der Kicker und Punter der Löwen Jonas Georgi (#82) bereits im ersten Quarter einen Punt an die 5-Yard-Linie platzieren konnte, setzte das Punt-Team erneut ein Ausrufezeichen im zweiten Quarter. Nach einer Fumble-Recovery durch Alexander Richter (#39) hieß es Ballbesitz für die Leipziger in guter Feldposition. Diesmal belohnte sich die Offense um QB Elliot Bodman (#1). WR Jan Rubitzko (#18) fing einen sauber gelaufenen Slant in der Endzone zum Touchdown. Den anschließenden Extrapunkt verwandelte Georgi gewohnt souverän zum 7:6 und einer Führung, die zu diesem Zeitpunkt wohl für alle überraschend kam.

Dafür, dass sich der Wunsch des Ravens Headcoach Allan Verbraeken, seine Starter an diesem Tag zu schonen, noch nicht so früh erfüllen würde, sorgte auch der nächste Turnover. Den lehrbuchreif platzierten „Sky Kick“ von Georgi konnte Arthur Dinter (#45) für die Leipziger tief in der Krefelder Hälfte recovern. Dieses Momentum nutzten die Lions und nach deutlichem Raumgewinn durch den nach längerer Verletzungspause zurückgekehrten RB Max Hobeck (#30), war es WR Jonathan Dietze (#3), der sich nach dem zweiten Touchdown-Pass von Bodman feiern lassen konnte. Nach erfolgreichem PAT stand es somit 14:6 für die Gastgeber. In den letzten 5 Minuten der ersten Halbzeit gelang es Krefeld den Spielstand durch Receiving Touchdowns von TE Eric Sauerbrey (#0) und 30 Sekunden vor Ende durch WR Mitchel Sawyer (#89) noch einmal zu drehen und sich so mit einer 14:20 Führung in die Pause zu verabschieden.

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit belohnten sich die Lions für ihre durchweg starke Leistung in der Offensive an diesem Tag. Erneut war es Rubitzko der sich den Pass seines Quarterbacks aus der Luft angelte und den Weg in die Endzone fand. Der Versuch eins Fake Fieldgoals konnte Inches vor der Endzone der Ravens gestoppt werden und so hieß es anstelle einer erneuten Führung der Leipziger 20:20. Doch dem Krefelder Angriff gelang es zu kontern. Zum zweiten Mal war es Mitchel Sawyer, der den Ball seines Quarterbacks zum Touchdown in der Endzone festhielt. Die anschließende Two-Point-Conversion war diesmal erfolgreich. Neuer Spielstand: 20:28.
Nun war es wieder das Punt-Team der Gastegeber, welches Krefeld in eine brenzlige Situation brachte. Jakob Schramm (#17) konnte einen hervorragend Punt von Georgi an der 1-Yard-Linie sichern. Im folgenden Spielzug war die Leipziger LB-Legende Tim Weidner (#9) wieder einmal zu schnell für alle. Ungeblockt brach er durch die ansonsten fast fehlerfrei agierende Offensive Line der Gäste durch, um Wedge in der Endzone zu einem Safety zu Boden zu bringen. Durch 2 Punkte für die Lions hieß der neuer Spielstand 22:28. Damit war höchste Spannung für das vierte Quarter garantiert.

Auf Seiten der Leipziger hatte man sich bereits vor dem Spiel dafür entschieden – unabhängig von dem Verlauf des Spiels – das vierte Quarter zu nutzen, um zum Saisonabschluss auch allen Back-ups noch einmal die Chance zu geben, sich zu zeigen. Und diese wussten zu beeindrucken. Vor allem den beiden LB-Oldies Martin Koch (#34) und Sebastian Trittenbach (#13) gelangen einige herausragende Tackles und mit Moses Fünfstück (#56) und Alex Krauss (#66) durften sogar zwei etatmäßige Offensive Linemen für einige Snaps in der Defensive antreten. Die Ravens Offensive um die beiden US-Amerikaner Arrambide und Wedge sowie den britischen Center Ben Shedwick (#68) musste sich auch gegen die Back-ups der Löwen jeden Yard hart erkämpfen. Nur noch ein weiteres Mal im vierten Quarter fanden die Krefelder in Person von Akiva Wedge den Weg zum Endstand von 22:35 in die Endzone.

Den emotionalen Schlusspunkt der Partie setzte dann Quarterback Elliot Bodman mit Return Yards für sein Team – ein Geschenk der Coaches für ihren wieselflinken Werfer. Auf die Versuche einzelner Gäste-Funktionäre, die Stimmung im Vorfeld des Spiels aufzustacheln, ließen sich Spieler und Coaches auf beiden Seiten glücklicherweise nicht ein und so blieb es bis zum Schlusspfiff bei einem von beiden Seiten fairen und vor allem spannenden Spiel. Die Ravens empfangen nun in der nächsten Woche die Albershausen Crusaders im Halbfinale der GFL2-Playoffs.

Foto: Aleksandra Shubina