Hart umkämpfter 14:07-Heimsieg

Pforzheim. Es war ein Nervenkrimi, der den Fans in Pforzheim am Wochenende alles abverlangte. Im zehnten Spiel der laufenden Saison empfing das effect®-ENERGY GFL Team der Pforzheim Wilddogs die Munich Cowboys. Trotz der baden-württembergischen Sommerferien fanden über 800 begeisterte Zuschauer den Weg in die heimische KRAMSKI-Arena und sahen einen enorm wichtigen 14:07-Erfolg der Hausherren. Dieser Sieg hält den Traum von den Playoffs im eigenen Stadion am Leben, doch der Blick auf die direkte Konkurrenz verspricht ein extrem dramatisches Saisonfinale.

Das Spiel fühlte sich für die Zuschauer von Beginn an ungewohnt an. Die erste Halbzeit verging wie im Flug und war nach gerade einmal 47 Minuten beendet. Der Grund dafür lag auf dem Platz: Das Pforzheimer Team setzte in der Offensive extrem stark auf das Laufspiel. Der etatmäßige Quarterback Drequan Harris wirkte in der Anfangsphase noch etwas nervös, weshalb das riskante Passspiel weitestgehend in der Schublade blieb. Stattdessen trugen Harris selbst sowie die unermüdlichen Runningbacks Theo Michel und Bryan Yankson die Hauptlast, was die Uhr kontinuierlich am Laufen hielt.

Die Munich Cowboys starteten ihren ersten Drive an der eigenen 19-Yard-Linie und bewegten den Ball unter der Führung ihres Quarterbacks Nick Semptimphelter zunächst gut durch die Luft und über den Boden. Doch die Defense der Wilddogs setzte früh ein starkes Zeichen: Zwei krachende Sacks durch Michi Grünes und Antonio Alzheimer beendeten den Münchner Angriff und zwangen die Gäste zum Punt.

Im zweiten Viertel platzte dann der Knoten im Pforzheimer Angriff. Drequan Harris tankte sich am Ende eines langen Drives selbst in die gegnerische Endzone. Der Extrapunkt durch Kicker Hirschberger saß sicher zum 7:0. Die Münchner blieben jedoch durch ihr starkes Passspiel gefährlich und profitierten zudem von Strafen gegen die Gastgeber. Zwar vergaben die Gäste ein Field Goal an der 25-Yard-Linie, doch als Pforzheim kurz vor der Pause einen vierten Versuch nicht ausspielen konnte, witterten die Cowboys ihre Chance. Mit nur noch 1:30 Minuten auf der Uhr marschierten sie über das Feld. Ein tiefer Pass von Quarterback Nick Semptimphelter auf seinen Receiver Gabriel Boccella brachte 40 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff den 7:7-Ausgleich.

Nach der Pause dominierten auf beiden Seiten weiterhin die Defensivreihen. Die Wilddogs begannen im Angriff, machten sich das Leben aber durch unnötige Strafen und einen missglückten Scramble bei einem vierten Versuch und 20 Yards selbst schwer. Doch auf die Pforzheimer Abwehr war an diesem Tag absoluter Verlass: Sie erzwang ein schnelles „Four-and-Out“ der Gäste und krönte ihre Leistung wenig später mit einem sensationell geblockten Punt. Dadurch eroberte die Pforzheimer Offense den Ball in hervorragender Feldposition, nur 10 Yards vor der gegnerischen Endzone.

Im entscheidenden vierten Viertel fackelte Drequan Harris nicht lange und erlief seinen zweiten Touchdown des Tages. Erneut verwandelte Hirschberger sicher zum 14:07. Wer nun dachte, das Spiel sei gelaufen, wurde eines Besseren belehrt. Angetrieben vom starken Münchner Duo aus Spielmacher Nick Semptimphelter und Gabriel Boccella kämpften sich die Bayern bis an die Pforzheimer 9-Yard-Linie vor. Was folgte, war der absolute defensive Höhepunkt des Tages: Ein überragender Goal-Line-Stand der Wilddogs stoppte die Cowboys zentimetergenau an der 4-Yard-Linie.

Die Schlussphase war an Spannung nicht zu überbieten. Pforzheim verpasste die Vorentscheidung durch ein verschossenes Field Goal, sodass München mit 2:10 Minuten auf der Uhr noch einmal den Ball bekam. Bei 1:57 Minuten verbleibender Spielzeit war es dann Linebacker David Graf, der Semptimphelter las, eine grandiose Interception fing und das Spiel damit endgültig entschied. Zwar holte Bryan Yankson noch ein wichtiges First Down, und die Offense versuchte das Touchdown-Verhältnis noch auszubauen, doch es blieb am Ende beim hart umkämpften 14:07.

Trotz der großen Freude über den Heimsieg richtet sich der Blick der Wilddogs mahnend nach vorne. Parallel zur Partie in Pforzheim fand das Duell der größten Konkurrenten um Platz zwei statt. Die ifm Ravensburg Razorbacks feierten dort einen wahren Kantersieg und fegten die Allgäu Comets mit 57:6 vom Platz. Durch dieses überdeutliche Ergebnis haben sich die Ravensburger den Vorteil im direkten Touchdown-Verhältnis gegenüber Pforzheim gesichert. Zwar müssen diese im letzten Spiel noch zum Favoriten der Nordstaffel, den Dresden Monarchs, doch die Ausgangslage für die Pforzheim Wilddogs ist klar: Will man den zweiten Tabellenplatz und das so wichtige Heimrecht in den Playoffs aus eigener Kraft verteidigen, muss nun zwingend jedes der verbleibenden Saisonspiele gewonnen werden. Der Nervenkitzel im Endspurt der Saison ist garantiert.

Foto: Jürgen Keller