Fernduell im Süden

Neben den Schwäbisch Hall Unicorns im Süden stehen seit dem letzten Wochenende auch die Dresden Monarchs im Norden als  Gruppensieger der effect® Energy GFL fest. Den Dresdenern gelang gegen Hildesheim mit einem 31:0 der Meistercoup ganz „stilecht“ mit einem Shutout-Erfolg. Für die Monarchs-Defense war es das erste „zu Null“ dieser Saison, Hildesheim blieb das zweite Jahr in Folge ohne Punkte in Dresden.

Kurz bevor es in die Playoffs geht, freut sich jedes Football-Team, wenn die eigene Verteidigung in Form ist. Das große Ziel der Dresdener ist nicht nur das erneute Erreichen des GFL Bowls im Harbig-Stadion in Dresden, sondern dieses Jahr am 3. Oktober dort die zweite deutsche Meisterschaft für den Verein. Jetzt können die Sachsen ihr Reisegepäck schon einmal über den Winter verstauen - alle ihre weiteren Spiele dieser Saison finden in Dresden statt.

Daran ändert nichts, dass die Potsdam Royals selbst letzte Woche ihren dritten Shutout-Sieg in Folge feierten, mit 61:0 in Braunschweig gewannen. Potsdam bleibt bis zum Ende auf Rang zwei, die Hildesheim Invaders behalten den dritten Platz im Norden. Beste Aussichten auf Rang vier haben inzwischen die Düsseldorf Panther, die nach ihrem Sieg in Berlin lediglich einen Sieg aus ihren beiden ausstehenden Spielen benötigen. Die erste Gelegenheit bietet sich ihnen am Samstag in Kempten bei den Allgäu Comets.

Im Süden gibt es an den letzten beiden August-Wochenenden ein Fernduell um Rang zwei mit einer Ausgangslage, die einmalig ist: Zwischen ifm Razorbacks Ravensburg und Pforzheim Wilddogs endeten beide Spiele mit dem haargenau identischen Resultat, beide gewannen zu Hause jeweils mit 28:10. Der direkte Vergleich, der im American Football sinnvollerweise immer herangezogen wird, um „Ties“ aufzulösen, taugt in diesem Fall nichts.

Was nun die Pforzheimer, vor allem aber die kommenden Gegner beider Mannschaften, in eine unkomfortable Position bringt. Die Wilddogs müssen ihr letztes Heimspiel am Samstag nicht nur gewinnen, weil sie befürchten müssen, dass die ifm Razorbacks tags darauf ebenfalls siegen könnten. Sie müssen auch möglichst hoch gewinnen, derzeit beträgt der Vorsprung der Ravensburger auf sie im Punktverhältnis 34 Punkte. Ravensburg muss später noch nach Dresden. Das Polster muss nicht ganz so groß, wie es scheint. Es dürfte sich am Wochenende auch noch in die eine oder andere Richtung verändern.

Schlechte Nachrichten sind dies für die Saarland Hurricanes als Gäste in Pforzheim und für die Regensburg Phoenix, die nach Ravensburg reisen. Üblicherweise gehört es zum „guten Ton“ (und zum zukunftsorientierten Coaching), bei hohem Vorsprung die eigenen Leistungsträger nach und nach vom Platz zu nehmen und eher (noch) unerfahrenen Kräften Gelegenheit zu Spielpraxis zu geben, ganz egal, ob dies das Resultat noch leicht abschmelzen lässt. Das fällt diesmal aus - Pforzheim und Ravensburg müssen beide bis zum Ende voll durchziehen.

Ein bisschen entspannt es die Lage, dass die Saarland Hurricanes mit einem Sieg gegen die Allgäu Comets gerade eine gute Basis für den Klassenerhalt gelegt haben und Aufsteiger Regensburg den nach vier Siegen in Folge sowieso sicher hat. Beide können also ohne Druck in die Partien gehen und notfalls gute Miene zum bösen Spiel machen. Und vielleicht ja auch mögliche Nervosität auf der Gegenseite eiskalt ausnutzen? Ein Sieg wäre für beide ein richtiger Hauptpreis: Die Saarland Hurricanes wären bei einer Allgäuer Niederlage gegen Düsseldorf damit schon vor dem Rückspiel in Kempten am sicheren Ufer. Regensburg könnte unter Umständen so noch nach Platz vier greifen.

Wie Düsseldorf im Norden haben in der effect® Energy GFL Süd da aber die Munich Cowboys selbst alle Trümpfe in der Hand. Die Münchner sind am Samstag zu Gast bei den Straubing Spiders. Für Straubing ist es das letzte Spiel gegen einen Süd-Kontrahenten, und ohne Heimsieg gegen die Cowboys stünde der Abstieg der Spiders fest. Den zu verhindern wird schwer, das Hinspiel gewannen die Münchner schon mit 41:14. 

Im Norden sind noch drei Mannschaften in Abstiegsgefahr: Die Kiel Baltic Hurricanes haben mit ihren Siegen gegen Berlin und Pforzheim dafür gesorgt, dass auch Braunschweig Lions und Berlin Rebels fürchten müssen, am Ende auf Rang sieben und in den Playdowns zu landen. Kiel ist am Samstag bei den Potsdam Royals zu Gast, Berlin in Hildesheim. Im Gegensatz zu ihren Gästen sind sowohl Royals als auch Invaders in der Playoff-Vorbereitung. Dennoch wäre es ungewöhnlich, besonders bei den Potsdamern, dass es nicht zum nächsten Heimsieg reichen sollte. Kiel und Berlin wissen, was die Stunde geschlagen hat. Die Baltic Hurricanes sind derzeit besonders in Schwung, die Rebels hatten zumindest in der Vergangenheit eine Tradition als Favoritenschreck und waren vor Saisonbeginn ja stärker eingeschätzt worden, als sie sich zuletzt präsentierten.