Die Calgary Gators aus Kanada unterstreichen ihre Klasse und siegen im Weserstadion mit 56:7.
Dieser Gegner war einfach zwei Klassen zu stark. Nach dem deutlichen Sieg gegen den niederländischen Rekordmeister Amsterdam Crusaders (35:18) wurden den Minden Wolves eine Woche später eindrucksvoll die Grenzen aufgezeigt. Das Team der Calgary Gators aus Kanada, das in Deutschland gastiert und neben dem deutlichen Sieg bei den Schwäbisch Hall Unicorns nach eigenen Aussagen ihre Gastgeber in Hildesheim und Bielefeld bei Scrimmages deklassierte, war auch dem Aufsteiger in die GFL2 in allen Belangen klar überlegen und bejubelte am Ende einen 56:7 (14:0, 14:0, 7:7, 21:0)-Erfolg.
„So wie sich Calgary bei uns präsentiert hat, würde das Team in der GFL1 ganz vorn mitspielen. Nicht umsonst haben sie auf ihrer Deutschland-Tour ausnahmslos klare Siege eingefahren“, zog Wolves-Vorstand Volker Krusche vor der Leistung der Gäste aus Übersee den Hut. „Gerade was sie in der O- und D-Line aufzubieten haben, sieht man sicherlich nicht alle Tage.“
Zwar mussten die Mindener auf einige Leute, gerade in der eigenen Offensiv-Line verzichten, geändert hätte ihre Anwesenheit am Spielverlauf auch nichts. Zu klar war der kanadische Meister aus 2024 und 2025 überlegen. Es war eine einzige Demonstration seiner Klasse. Und so nahmen die Verantwortlichen um Headcoach Phil Gamble das Ganze auch mit Ruhe und Gelassenheit. „Es war eine absolute Lehrstunde für uns. Und ich glaube, dass uns das gut tun wird“, bilanzierte Gamble. „Es war klar, das Calgary sehr gut ist, so stark hätte ich sie aber nicht erwartet. Es ist aber auch gut, dass wir nach der klaren Niederlage alle wieder geerdet sind.“
Zwar war man auf Seiten der Gastgeber enttäuscht über den eher mageren Besuch, was vielleicht auch an der Tatsache lag, dass man auf drei aufeinanderfolgenden Samstagen prominente Gegner im Weserstadion zu Gast hat. Nur gut 500 Zuschauer verloren sich im Rund des Wolves-Wohnzimmers. Die allerdings waren trotz der deutlichen Niederlage keinesfalls enttäuscht. Vielmehr erkannten sie die Klasse des Gegners an und waren letztlich stolz darauf, dass ihr Team den Mut hatte, sich mit einer solchen Mannschaft zu messen.
Gleich der erste Angriff der Mindener wurde von den wie hünenhaften Naturburschen wirkenden Kanadiern spielend pulverisiert. Und selbst marschierte man sofort gekonnt über das Feld, so dass Bryce Harper gleich das erste Angriffsrecht mit einem Touchdown in Zählbares ummünzen konnte. Und wenig später stockte er mit seinem zweiten Endzonenbesuch neben den beiden von Ian Hewitt verwandelten PATs (Points after Touchdown) zum 14:0 nach dem ersten Viertel auf.
Im zweiten Quarter hielt die Mindener Defense besser dagegen, konnte es aber nicht verhindern, dass Ben Hnatiuk nach zuvor verpassten 36 Yard-Fieldgoalversuch für den dritten Touchdown der Gäste (plus PAT Hewitt) sorgte. Eigentlich hätte es mit diesem Ergebnis in die Pause gehen müssen, doch wurde bei einem langen Pass der Gäste nicht entscheidend gestört, so dass Jacob Deslo der Endzonenbesuch „geschenkt“ wurde. Daher hieß es nach zwei Quartern 28:0 für die Gators.
Die drückten nach dem Seitenwechsel gleich wieder auf die Tube und so waren sie es, die als Erste wieder etwas aufs Scoreboard brachten. Einmal mehr war es Bryce Harper der mit seinem dritten Touchdown für das 34:0 sorgte, was Gabriel Canabrava mit seinem Point after Touchdown zum zweizeitlichen 35:0 ausbauen konnte.
Mindens Headcoach Phil Gamble brachte seinen jungen deutschen Quarterback Fabrice Steinbach für den alles in allem wenig überzeugenden US-Import Darrius Sample. Und der 22-Jährige aus Minden führte sich gut ein, änderte den angesagten Spielzug und spielte stattdessen den Ball über 30 Yard auf Rückkehrer Willie Fedd jr. Der sorgte zum großen Jubel der Hausherren mit seinem Touchdown dafür, dass auch die Mindener aufs Scoreboard kamen. Eine „Nullnummer“ war verhindert worden.
Zu mehr sollte es aber nicht reichen, denn im Schlussviertel waren nur noch die Kanadier am Drücker. Durch Runningback Marshall Tailleur, Spielertrainer Kurt Howland und Wide-Receiver Doneff Cassidy sowie drei verwandelte PATs knackte Calgary die 50 Punkte-Marke und stockte zum 56:7 auf. Pech für Minden, dass nach einem Quarterback-Sack durch Geburtstagskind Kai Schröter die Zeit fehlte, um aus guter Feldposition vielleicht noch ein zweites Mal punkten zu können.
Dennoch stand eines fest: Für das erst in ihr sechstes Spieljahr gehende Wolfsrudel war es trotz der derben Packung eine wertvolle Erfahrung und ein absolutes Erlebnis. © Hendric-Noah Pieper



