Fünf Wochen vor dem Ende der Hauptrunde der Saison 2026 in der effect® Energy GFL bekommen die Straubing Spiders ihre wohl letzte Chance, den Abstieg noch zu vermeiden. Die Straubinger empfangen im „Spider Dome“ am Peterswöhrd zu ihrem vorletzten Heimspiel Aufsteiger Regensburg Phoenix. Gleich eine Woche später gibt es das Rückspiel in Regensburg. Da die Straubinger noch mindestens zweimal gewinnen müssten, um von Platz acht wegzukommen, dürfte es über ihre Marschrichtung keine zwei Meinungen geben. Unter dem neuen Head Coach Sven Dorfner zeigten die Spiders zuletzt gegen Tabellenführer Schwäbisch Hall positive Ansätze. Im 13:35-Resultat wurden die weniger sichtbar, stattdessen die häufigen Ballverluste, die die Unicorns auf die Siegerstraße brachten. Aber phasenweise setzte Straubings Defense die beste Offense der effect® Energy GFL Süd mit Interceptions und Quarterback Sacks mächtig unter Druck. Könnte sich der Aufwärtstrend verstetigen, bleibt noch Hoffnung für die Spiders. Allerdings: Auch Regensburg Phoenix ist klar im Aufwärtstrend. Mit dem Auswärtssieg in Düsseldorf hatten die Regensburger sich einen ersten Vorteil gegenüber den Teams vom Tabellenende verschafft. Dem ließen sie in Kempten einen weiteren Auswärtserfolg und zuletzt auf eigenem Platz einen klaren Sieg gegen die Saarland Hurricanes folgen. Head Coach Derrick Wilson kündigte dennoch sofort danach an, die Mannschaft habe sich energisch auf das Spiel in Straubing vorzubereiten. Zum einen ist es ein ostbayerisches Derby mit besonderen Aspekten, zum anderen beschert erst ein Sieg gegen Straubing den Oberpfälzern auch rechnerisch den sicheren Klassenerhalt. Auch im Osten von Niedersachsen ist am 8. August Derby-Time, dort dann ab 19 Uhr unter Flutlicht im Hildesheimer Friedrich-Ebert-Stadion. Zum ersten Mal seit ewigen Zeiten hatten die Hildesheim Invaders die Braunschweig Lions im Hinspiel schlagen können, nun soll am Samstagabend nach dem Rückspiel der Einzug in die Playoffs gefeiert werden. Allerdings ist der letzte Hildesheimer Sieg jetzt zwei Monate her, bisher gab es im Sommer zwei recht deutliche Abfuhren gegen die Potsdam Royals. Die Braunschweig Lions haben in derselben Zeitspanne immerhin drei Spiele gewonnen. Nur die bittere Heimniederlage nach Halbzeitführung gegen Berlin trübte das Bild wieder ein. So wie die Hildesheimer mit einem Sieg ihre Endrundenteilnahme praktisch klar machen, bedeutet für die Braunschweiger eine Niederlage das Aus aller Ambitionen. Selbst wenn auch bei ihnen ein Aufwärtstrend gegenüber den eher verkorksten Anfangswochen der Saison erkennbar ist. Wenn es nur noch wenige Wochen bis zu den Playoffs sind, kommt regelmäßig in der effect® Energy GFL die Zeit, in der die Spitzenteams mit Anspruch auf den Titelgewinn dem (vorhandenen oder erwünschten) eigenen Aufwärtstrend selbst nachhelfen. Mehrfach in der Vergangenheit waren Endspielträume geplatzt, weil wichtige Leistungsträger wie etwa der Stamm-Quarterback am Ende ausfielen. Der kluge Verein baut vor: Längst gehört es zum guten Ton, dass Meisterschaftsanwärter für den Endspurt eine Rückversicherung auf der Quarterback-Position eingeplant haben. Am Samstag laufen also für Dresden Monarchs, Potsdam Royals und Schwäbisch Hall Unicorns neue Spielmacher (mit) auf. Wobei bei Titelverteidiger Potsdam sich gleich zeigt, wie sinnvoll die Maßnahme ist: Der bisherige Quarterback und letztjährige Final-MVP Xeavier Bullock wechselt zu den Elecom Kobe Finies nach Japan. Die japanische Liga setzt in diesem Jahr eine Strukturreform energisch um, unter dem erweiterten Namen „X-League Premier“ dürfen nur noch Teams antreten, die mindestens 200 Millionen Yen (rund 1,1 Millionen Euro) Jahresetat finanzieren können - mit dem Zwang, diese Mindestsumme in jedem Fall auch auszugeben. Für die Potsdam Royals heißt dies, dass aus der bisher geheimen Bullock-Alternative Bay Harvey nun erst einmal der Bullock-Nachfolger wird. Der 24-jährige Schweizer hat in den USA studiert und erfolgreich College Football gespielt. Jetzt steht er auf Anhieb mit seinem Team im Spiel bei den Düsseldorf Panthern in der Verantwortung. Düsseldorf hatte in Potsdam letztes Jahr für eine der größten Sensationen gesorgt und die Royals bezwingen können. In einem Spiel übrigens, in dem ein neuer Quarterback (damals Kenyatte Allen) seinen Einstand für die Brandenburger gab... Selbst wenn nicht erwartet werden muss, dass solch ein Coup erneut klappen kann: Die Düsseldorfer bleiben so oder so noch im Playoff-Rennen. Dies liegt daran, dass vergangenes Wochenende die Berlin Rebels in Kiel ein kleines Waterloo erlebten. Nach der 10:37-Niederlage fällt es schwer zu glauben, dass den Berlinern gegen den noch ungeschlagenen Nord-Tabellenführer Dresden Monarchs die Wiedergutmachung gelingen könnte. Allerdings stellen die Monarchs gegen Berlin gern die regionale Rivalität zwischen Sachsen und der Bundeshauptstadt in den Vordergrund und sich selbst mitunter ein Bein. Vor zwei Jahren verloren sie bei ihrem letzten Trip zu den Rebels, 2023 vergeigten sie vor über 10.000 Zuschauern ihr Heimspiel gegen diese im Harbig-Stadion. Und letzte Woche waren die Monarchs gegen Düsseldorf trotz Blitzstart am Ende nicht immer souverän. Dennoch dürfte sich der neue zweite Quarterback Casey Thompson wohl mindestens insgeheim darauf einstellen, früher oder später Stammspielmacher Rocky Lombardi auf dem Rasen des Mommsenstadions ohne Druck entlasten zu können. Ob die Kiel Baltic Hurricanes aus ihrem zweiten Saisonsieg gegen Berlin letzte Woche Kapital schlagen können, erfahren sie gleich an diesem Samstag. Da sind sie zu Gast bei den Schwäbisch Hall Unicorns, die als Gruppensieger der effect® Energy GFL Süd ja feststehen und ohne Not darüber entscheiden können, ob und wann sie ihrem neuen zweiten Spielmacher Walter Kuhlenkamp Spielpraxis verschaffen wollen. Kiel spielt noch um alles: Platz sieben wie im Augenblick könnte es am Ende werden und damit der Gang in die Playdowns mit dem Süd-Siebten. Aber warum nicht nach vorn blicken? Sollten die Kieler sich in Schwäbisch Hall durchsetzen können, dürfen sie sich realistischerweise fünf Gesamtsiege noch zum Ziel setzen. Das wäre wohl der sichere Klassenerhalt. Käme eine gehörige Portion Glück dazu, könnte dies für Rang vier reichen.




