Der Royals-Weg nach Dresden führt über Schwäbisch Hall

Foto: PFA/Sebastian Just

Noch ein Sieg bis zum GFL Bowl. Für die Potsdam Royals steht am Samstag die bislang größte Herausforderung der Saison bevor. Im Halbfinale der effect® ENERGY GFL reist der amtierende Deutsche Meister zu den Schwäbisch Hall Unicorns. Kickoff im OPTIMA Sportpark ist am Samstag, 19. September, um 16 Uhr. Der Sieger zieht in den GFL Bowl am 3. Oktober in Dresden ein.

Dabei treffen zwei Mannschaften aufeinander, die die reguläre Saison nahezu perfekt absolviert haben. Die Unicorns marschierten mit zwölf Siegen aus zwölf Spielen und 515:177 Punkten ungeschlagen zur Südmeisterschaft. Die Royals beendeten die Hauptrunde mit einer 11:1 Bilanz auf Rang zwei im Norden und erzielten dabei ligaweit starke 583 Punkte bei lediglich 79 Gegenpunkten. Jetzt geht es allerdings nicht mehr um Bilanzen oder Tabellenplätze. Es geht um den Einzug ins Endspiel.

Royals reagieren auf Widerstand gegen Ravensburg

Im Viertelfinale mussten die Royals erstmals seit mehreren Wochen wieder auf ernsthafte Gegenwehr reagieren. Gegen die ifm Razorbacks Ravensburg stand am Ende ein deutliches 48:21 auf der Anzeigetafel, doch vor allem in der ersten Hälfte hielten die Gäste die Partie offen. Erst nach der Pause übernahm Potsdam endgültig die Kontrolle und entschied die Begegnung mit einer starken zweiten Hälfte für sich. Gerade diese Erfahrung könnte vor dem Halbfinale wertvoll sein. Nach mehreren äußerst deutlichen Siegen zum Ende der Regular Season waren die Royals wieder gezwungen, Fehler zu korrigieren, auf Rückschläge zu reagieren und als Mannschaft Antworten zu finden.

Defensive Captain Ruben De Ruyter sah genau darin nach dem Viertelfinale einen wichtigen Schritt: „Wir hatten zum ersten Mal seit einigen Wochen wieder etwas Gegenwehr und mussten mit schwierigen Situationen umgehen. Wir haben darauf gut reagiert, sind als Mannschaft zusammengeblieben und haben Antworten auf unsere Fehler gefunden. Genau das ist das Wichtige, was wir aus diesem Spiel mitnehmen sollten.“

Schon unmittelbar nach dem Erfolg gegen Ravensburg richtete De Ruyter den Blick auf den möglichen Halbfinalgegner und machte deutlich, welchen Stellenwert ein Auswärtsspiel in Schwäbisch Hall besitzt: „Schwäbisch Hall ist auswärts niemals eine einfache Aufgabe. Dort gibt es eine echte Footballstadt, sie sind immer gut gecoacht und haben unglaublich viel Geschichte. Deshalb müssen wir uns sehr gut vorbereiten. Aber genau das ist Playoff Football und genau das wollen wir. Wir möchten keinen einfachen Weg ins Finale.“ Nun ist genau dieses Duell Realität.

Ungeschlagen, aber im Viertelfinale verwundbar

Die Unicorns gehen mit einer perfekten Saisonbilanz in das Halbfinale. Zwölf Spiele, zwölf Siege. Keine Mannschaft im Süden konnte Schwäbisch Hall in der Regular Season bezwingen. Dabei überzeugte das Team nicht nur durch seine Bilanz, sondern auch durch seine Konstanz. Selbst in engen Partien fand Hall immer wieder einen Weg zum Sieg.

Wie wenig diese Zahlen in den Playoffs garantieren, zeigte allerdings das Viertelfinale. Gegen die Düsseldorf Panther mussten die Unicorns bis in die Schlussminuten um den Einzug in die nächste Runde kämpfen. Hall führte zwischenzeitlich mit 23:7. Ein geblocktes Field Goal, das Jordan Toles über 96 Yards zum Touchdown zurücktrug, brachte die Gastgeber früh auf Kurs. Rayjuon Pringle fing einen Touchdownpass von Julius Klenk, Kicker Timo Bronn traf aus 41 Yards und Kelley Joiner erhöhte mit einem 32 Yard Lauf im dritten Viertel auf 23:7. Doch Düsseldorf kam zurück, erzielte im Schlussviertel 13 unbeantwortete Punkte und verkürzte 1:56 Minuten vor dem Ende auf 23:20. Erst nachdem Hall den folgenden Onside Kick sichern konnte, war das Halbfinalticket endgültig gebucht. Das Viertelfinale zeigte damit beide Seiten der Unicorns. Hall kann mit Defense, Laufspiel und Special Teams eine Partie kontrollieren, hat gegen Düsseldorf aber gleichzeitig gezeigt, dass auch der ungeschlagene Südmeister unter Druck gebracht werden kann.

Auf diese Unicorns müssen die Royals achten

Ein Schlüsselspieler der Haller Offense ist Julius Klenk. Der langjährige Unicorns Nachwuchsquarterback übernahm im Laufe der Saison nach der Verletzung von Nationalmannschaftsquarterback Lars Heidrich immer mehr Verantwortung. Beim 37:13 gegen Regensburg zum Abschluss der Regular Season brachte Klenk 88 Prozent seiner Pässe für 238 Yards an. Bereits zuvor hatte er beim Gewinn der Südmeisterschaft fünf Touchdownpässe geworfen. Eine seiner wichtigsten Anspielstationen ist Rayjuon Pringle. Der US Receiver fing gegen Regensburg gleich drei Touchdownpässe und war auch gegen Düsseldorf zur Stelle, als Klenk ihn aus vier Yards zum 13:0 fand. Seine Explosivität macht ihn zu einer der wichtigsten Aufgaben für das Potsdamer Defensive Backfield.

Mindestens genauso wichtig ist allerdings das Haller Laufspiel. Kelley Joiner zeigte gegen Düsseldorf, welchen Unterschied er machen kann. Im ersten Drive nach der Pause sorgte er mit einem 42 Yard Lauf für Raumgewinn, später durchbrach er die Panther Defense über 32 Yards zum Touchdown. Gerade wenn Hall über das Laufspiel Rhythmus findet und lange Drives aufbauen kann, wird die Offense schwer zu kontrollieren. Hinzu kommt eine Defense, die gegen Düsseldorf einen geblockten Field Goal Versuch, mehrere Sacks, einen erzwungenen Fumble und ein wichtiges Turnover on Downs unmittelbar vor der eigenen Endzone produzierte. Noah Lorieri, Nicolas Hühnergarth und Daniel Bartmann brachten Düsseldorfs Quarterback jeweils zu Boden, während Monteze Latimore den entscheidenden Fumble forcierte. Genau diese Vielseitigkeit macht Schwäbisch Hall gefährlich. Die Unicorns sind nicht darauf angewiesen, dass eine einzelne Unit das Spiel gewinnt.

Potsdam muss die eigenen Stärken auf den Platz bringen

Die Royals müssen sich vor diesem Gegner allerdings keineswegs verstecken. 583 erzielte Punkte in zwölf Regular Season Spielen waren noch einmal deutlich mehr als die ohnehin beeindruckenden 515 Punkte der Unicorns. Gleichzeitig ließ Potsdam nur 79 Punkte zu und damit weniger als die Hälfte der 177 Haller Gegenpunkte. Auch im Viertelfinale zeigte die Potsdamer Offense ihre Vielseitigkeit. Quarterback Hugh „Bay“ Harvey kann mit Milan Spiller, Key’Shawn Smith oder Corey Jeeves verschiedene Anspielstationen attackieren, während die Running Backs Chrisman Kyei und Heiko Bals, sowie Peter Martin eine Defense auch am Boden beschäftigen. Gegen Ravensburg produzierte die Offense 48 Punkte und konnte nach einer engeren ersten Hälfte noch einmal deutlich zulegen.

Touchdown Peter Martin im Spiel gegen Ravensburg – Foto: PFA/Sebastian Just

Genau diese Balance dürfte in Hall entscheidend werden. Die Royals dürfen der Unicorns Defense nicht erlauben, das Spiel eindimensional zu machen. Gelingt es Potsdam, früh das Laufspiel zu etablieren und gleichzeitig die explosiven Möglichkeiten im Passspiel zu nutzen, muss Hall das gesamte Feld verteidigen. Auf der anderen Seite wartet eine der interessantesten Aufgaben des Halbfinals auf die Potsdamer Defense. Das Ziel wird sein, das Haller Laufspiel früh zu kontrollieren und Klenk in offensichtliche Passing Downs zu zwingen. Ravensburg kam im Viertelfinale gegen die Royals offensiv nur phasenweise in einen Rhythmus. Gegen Hall wird es darum gehen, diese Kontrolle von Beginn an aufzubauen. Auch Turnovers und Special Teams können in einem Halbfinale den Unterschied machen. Wie schnell sich dadurch ein Spiel verändert, demonstrierten die Unicorns gegen Düsseldorf eindrucksvoll, als ihr erster Touchdown unmittelbar aus einem geblockten Field Goal entstand.

Zwei Schwergewichte, ein Ticket nach Dresden

Schwäbisch Hall gegen Potsdam ist nicht nur das Duell zweier erfolgreicher Mannschaften dieser Saison. Es ist ein Aufeinandertreffen mit reichlich Playoff Erfahrung und zwei Programmen, die wissen, wie Spiele im September gewonnen werden. Die Unicorns genießen dabei einen wichtigen Vorteil. Sie spielen zu Hause. 2.452 Zuschauer sorgten bereits im Viertelfinale für eine intensive Atmosphäre im OPTIMA Sportpark. Für die Royals bedeutet das eine lange Auswärtsfahrt und ein Halbfinale in einer der traditionsreichsten Footballstädte Deutschlands. Genau darauf hatte sich die Mannschaft nach dem Viertelfinale aber bereits eingestellt.

Heiko Bals brachte die Aufgabe nach dem Ravensburg Spiel auf den Punkt: „Schwäbisch Hall ist immer eine lange Reise und immer ein schweres Spiel. Sie standen nicht ohne Grund über Jahre regelmäßig im German Bowl und finden jetzt langsam wieder zu ihrer alten Stärke zurück. Ich denke, dass uns dort ein sehr spannendes Spiel erwartet.“

Es ist die bislang größte Prüfung der Potsdamer Saison. Die Royals haben elf ihrer zwölf Hauptrundenspiele gewonnen. Die Unicorns haben noch überhaupt nicht verloren. Beide haben ihr Viertelfinale überstanden. Potsdam deutlich mit 48:21, Hall nach einem Playoff Krimi mit 23:20. Am Samstag zählen all diese Zahlen nicht mehr. Vier Quarter entscheiden darüber, wer am 3. Oktober um die Deutsche Meisterschaft spielt. Der Weg der Potsdam Royals nach Dresden führt über Schwäbisch Hall.

Auch auswärts sollen die Royals nicht allein bleiben. Für das Halbfinale ist erneut ein Fanbus von PotsdamBus geplant, der die Anhänger nach Schwäbisch Hall bringt. Interessierte Fans können sich hier Tickets sichern!

Kickoff: Samstag, 19. September 2026, 16:00 Uhr
Spielort: OPTIMA Sportpark, Schwäbisch Hall
Partie: Schwäbisch Hall Unicorns gegen Potsdam Royals
Runde: Halbfinale der effect® ENERGY GFL
Ziel: GFL Bowl am 3. Oktober in Dresden

Autor: PassionPress.eu