Ein Sieg fehlt noch, dann erfüllt sich für zwei Teams der effect® Energy GFL der Traum vom GFL Bowl am 3. Oktober im Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion. Im Viertelfinale setzten sich vergangene Woche alle vier Heimmannschaften durch. Wie bereits in der letzten Saison treffen im Halbfinale die beiden Gruppenersten auf die Zweiten der jeweiligen anderen Staffel. Im Süden sind dies andere Mannschaften als 2025, im Norden die selben mit verteilten Rollen: Diesmal hatten die Dresden Monarchs die Potsdam Royals in der Hauptrunde hinter sich gelassen, zur Belohnung folgt auf den Heimerfolg gegen die Munich Cowboys im Viertelfinale auch das Halbfinale im Heinz-Steyer-Stadion. Gegner sind die Pforzheim Wilddogs, für die das Erreichen der Runde der letzten vier der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist. Alle anderen Halbfinalisten haben bisher mindestens einmal den Titel gewinnen können, für die Pforzheimer ist das Halbfinale Neuland. Titelverteidiger Potsdam Royals musste in der Hauptrunde zwar die Niederlage gegen Dresden einstecken, seither aber haben die Brandenburger mehr als deutlich gemacht, dass für sie auch ein vierter Meistertitel in Folge keine Utopie ist. Aber auch für die Potsdamer wird die Luft nun wieder etwas dünner. Nach fünf Zu-Null-Siegen in Serie zum Abschluss der Hauptrunde kassierten sie im Viertelfinale erstmals seit Juni wieder drei Touchdowns in einem Spiel. Für die ifm Razorbacks Ravensburg war es ein Teilerfolg, für einen Sieg in Potsdam nicht genug. Die Potsdamer sind nun Gäste bei den Schwäbisch Hall Unicorns, ihrem Finalgegner der Jahre 2022 und 2023. Beim ersten Bowl-Clash der beiden hatten sich die Schwäbisch Haller ihre fünfte deutsche Meisterschaft gesichert, beim zweiten die Potsdamer ihren ersten der nun dreijährigen Titelserie. In den letzten beiden Jahren hatten die Unicorns im Halbfinale gefehlt, nachdem sie dort ab 2014 bis zum Jahr der letzten Finalteilnahme 2023 immer dabei waren. Ihre klare Dominanz im Süden während jener Zeit hatten sie einbüßen müssen. Teils infolge der kurzzeitigen Verwerfungen in der Football-Landschaft Baden-Württembergs rund um das ehemalige Projekt Stuttgart Surge in der ehemaligen European League of Football, teils den aufstrebenden Vereinen in Ravensburg und Pforzhem geschuldet. Inzwischen gibt dieses Trio im Südwesten den Ton im Südwesten an, die drei belegten die ersten drei Plätze der effect® Energy GFL Süd. Ob es für die Unicorns nun reicht, dem Titelverteidiger aus Potsdam ein Bein stellen zu können, steht auf einem anderen Blatt. Im Halbfinale gegen die Düsseldorf Panther mussten die Haller sich trotz Heimvorteils beim 23:20 mit dem knappsten der vier Viertelfinalsiege begnügen. Immerhin durfte sich dabei im letzten Viertel ihre Defense bewähren, die mit einigen markanten Aktionen genug des ursprünglichen 23:7-Vorsprungs verteidigen konnte. Das könnte Selbstvertrauen gegeben haben, das man gegen die Angriffsgewalt der Royals am kommenden Samstag benötigen wird. Fast 50 Punkte pro Spiel, über 5.000 Yards Raumgewinn in der Saison: Der Offense der Potsdamer konnte diese Saison wieder einmal niemand das Wasser reichen. Und dies obwohl man zweimal den Quarterback wechseln musste. Inzwischen ist der anfangs verletzte Tyrrell Pigrome wieder an Bord und kann Hugh Harvey unterstützen. Bevorzugte Anspielstation ist der Big-Play-König der Liga Maximilian McLeod. Die Unicorns stellen den nach Punkten in der Hauptrunde zweitstärksten Angriff der effect® Energy GFL. Jedoch spielte der unter anderem dreimal gegen die Absteiger aus Straubing und aus dem Allgäu, die deutlich weniger Widerstand leisten konnten als alle Gegner der Potsdamer in der Hauptrunde. Nun bekommen es die Unicorns-Angreifer mit der nach kassierten Punkten mit gehörigem Abstand besten und Shutout-erfahrenen Defense der Liga zu tun. Die Chance der Unicorns dürfte darin liegen, komplett fehlerfrei zu spielen, und die Situation auf dem Scoreboard nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Dann können die Royals durchaus auch mal ins Schwimmen geraten. Bewiesen hatten dies die Dresden Monarchs im Juni bei ihrem 24:22-Erfolg in Potsdam. Die Hoffnung in Dresden lebt, dass es nach zwei vergeblichen Finalanläufen der letzten beiden Jahre diesmal zum Meistertitel reichen kann. Auch die Dresdener spielen in der entscheidenden Phase mit einem US-Quarterback-Duo: Sicher ist sicher, an einer Verletzung soll der Run auf den Pokal nicht scheitern. Rocky Lombardi und Casey Thompson können sich als Anspielstation unter anderem auf den wuchtigen Montigo Moss, Sohn der NFL-Legende Randy Moss, verlassen, der sein Ziel, sich selbst einen Namen zu machen und sich nicht auf die Prominenz der Familie zu verlassen, in der effect® Energy GFL dieses Jahr eindrucksvoll unterstrichen hat. Letzte Hürde auf dem Weg ins Finale im eigenen Stadion sind die Pforzheim Wilddogs. Die waren letztes Jahr schon in Dresden zu Gast und hatten dem Favoriten einen beherzten Kampf im Viertelfinale geliefert. Ohne Verletzungssorgen reisen sie an, wissen, was sie erwartet, und haben in der Rolle des Underdogs nichts zu verlieren. Im Viertelfinale letzte Woche war es ihre Verteidigung, die von allen Teams am längsten die eigene Endzone sauber hielt, die mit ihren Ballgewinnen den Sieg eingeleitet hatte und am Schluss auch besiegelte. Ein oder zwei Ballverluste in frühen Phasen können im American Football jeden Favoriten aus dem Konzept bringen. Die Pforzheimer bringen da einige „Abfangjäger“ unter ihren Verteidigern mit nach Dresden. Die Monarchs müssen am Samstag jeden Gedanken an ihr erstrebtes Traumfinale aus den Köpfen halten und sich voll auf den aktuellen Gegner auf dem Platz fokussieren. Der letzte Schritt in ein Endspiel ist schließlich oft der schwerste.




