Fünf Mannschaften haben die ersten drei Wochen der Saison 2026 in der effect® Energy GFL ungeschlagen überstanden. Während die Dresden Monarchs nach drei Siegen vorerst pausieren, sind die anderen vier am letzten Mai-Samstag allesamt auf Reisen. Mit unterschiedlichen Aussichten und Ambitionen.
Der amtierende Meister Potsdam Royals etwa dürfte nach seinem hohen Erfolg von letzter Woche gegen Braunschweig bei den Kiel Baltic Hurricanes beweisen wollen, dass der Royals-Express Richtung Finale in Dresden jetzt ungebremst Kurs genommen hat. Elfmal trafen Kiel Baltic Hurricanes und Potsdam Royals bisher aufeinander – ein Unentschieden vor sieben Jahren war bisher das einzige Erfolgserlebnis der Ostsee-Footballer dabei.
Anders verhält es sich mit der Vorgeschichte des Niedersachsen-Derbys zwischen Braunschweig Lions und Hildesheim Invaders. Braunschweig bekam zwar in Potsdam die aktuellen Grenzen aufgezeigt, die Invaders liegen mit drei Siegen gleichauf mit Dresden aktuell in der Tabelle wegen eines Spieles mehr sogar vor Potsdam. Noch nie allerdings haben die Hildesheimer eine Erstligapartie gegen die Braunschweiger gewinnen können.
Der letzte Sieg der Invaders gegen Braunschweig datiert aus dem Jahr 1989, als beide Vereine noch in regionalen Ligen spielten. Sportlich spricht viel dafür, dass die Chance der Hildesheimer in Braunschweig diesmal größer ist als je zuvor. Die Mannschaft von Head Coach Marcus Herford kann weiter auf ihren langjährigen Quarterback Nelson Hughes bauen. Entsprechend gut eingespielt kam sie aus den Startlöchern, im Gegensatz zu den Braunschweigern. Hughes war schon für über 900 Yards und zwölf Touchdowns im Passspiel verantwortlich.
Defensiv kassierten die Invaders mit nur 22 Gegenpunkten aus drei Partien die wenigsten der Liga bisher. Auf der anderen Seite haben ausgerechnet die Lions mit ihrem Angriff zunächst die niedrigste Ausbeute aller Teams der effect® Energy GFL Nord, wobei ihre Gegner allerdings auch stärker als die der Invaders waren. Mehrere hundert Anhänger der Invaders werden ihre Mannschaft nach Braunschweig begleiten, für echte Derby-Atmosphäre sorgen und auf einen historischen Triumph hoffen.
Weniger Punkte pro Spiel als die Lions holte nur Süd-Aufsteiger Regensburg Phoenix aus seinen ersten drei Partien. Die Regensburger gehen direkt nach der Niederlage in München gleich ins Rückspiel wieder gegen die Munich Cowboys. Da es die erste Saison der Regensburger in der ersten Liga ist und sie den Münchnern bis letzte Woche noch nicht in Pflichtspielen begegnet waren, zählt auch dieses Spiel zu jenen des Samstags, bei denen eine Mannschaft noch nie (oder nur vor sehr langer Zeit) gegen die andere gewonnen hat.
Im Hinspiel überzeugten die Cowboys mit einer effizienten Offense. München nutzte seine Chancen konsequent, auch defensiv agierten die Cowboys stabil. Dennoch sah man bei den Regensburgern gute Ansätze. Im Heimspiel will man die eigenen Fehler deutlich reduzieren. Gelänge dies, müssen die Cowboys auf der Hut sein. Wie die Braunschweiger im Norden braucht auch der Süd-Tabellenletzte Regensburg allerdings aber auch bald ein Erfolgserlebnis, will man nicht den Anschluss ans Feld frühzeitig verlieren.
Für die Regensburger gilt dies auch deswegen, weil zeitgleich ein weiteres der bisher noch sieglosen Teams der effect® Energy GFL Süd seinen ersten Erfolg einfahren wird. In Straubing erwarten die Spiders die Saarland Hurricanes. Zwischen beiden gibt es in dieser Saison kein Rückspiel. Der Erfolg an diesem Samstag zählt quasi doppelt, der Sieger darf hoffen, frühzeitig die Weichen Richtung Klassenerhalt gestellt zu haben. Die bisherigen Auftritte von Spiders und Hurricanes 2026 brachten ihnen eine fast identische und ziemlich negative Punktbilanz gegen Teams aus dem baden-württembergischen Top-Trio der Süd-Gruppe.
Von diesem Trio gehen die noch ungeschlagenen Schwäbisch Hall Unicorns und ifm Razorbacks Ravensburg in Auswärtsspiele gegen Mannschaften, die gegen sie seit längerem vergeblich auf einen Sieg hoffen. Ravensburg ist dabei zu Gast in Pforzheim. Für Gastgeber Wilddogs ist es ein Härtetest, bei dem die eigenen Ambitionen zur Überprüfung anstehen. Den letzten Sieg gegen die Ravensburger holte man 2008, lange bevor beide nacheinander in den letzten Jahren in die erste Liga aufstiegen.
Während die Gäste ihre bisherigen zwei Aufgaben mehr als deutlich lösen konnten, mussten die Wilddogs hart für ihre Erfolge arbeiten. Diese zusätzliche Spielpraxis und den Rhythmus aus drei harten Partien hält man in Pforzheim für den möglichen entscheidenden Faktor, um vor allem defensiv Akzente zu setzen. Das wird schwer, weil Ravensburgs Quarterback Broghan McGovern in guter Form ist. Die Wilddogs-Offense dagegen war in der Nähe der gegnerischen Endzone nicht immer so effektiv, wie man sich dies erhofft hatte.
Und auch beim Interconference-Spiel des Tages gastiert ein 2026 noch ungeschlagenes Team bei einem Gegner, der sich in der Vergangenheit vergeblich an ihm abgemüht hatte. Die Berlin Rebels erwarten die Schwäbisch Hall Unicorns. In vier der letzten zehn Spielzeiten hatten die Berliner Viertelfinals in Schwäbisch Hall verloren. Nun sieht man sich im Berliner Mommsenstadion wieder. Nicht nur der Heimvorteil lässt die Haupstädter hoffen: Meister Potsdam hatte man dort am Rand einer Niederlage, nach einem Erfolg im Auswärts-Interconference-Spiel in Pforzheim soll es nun endlich einmal mit einem Sieg gegen die Unicorns klappen.
Für die Unicorns, die nach dem Verlust des Süd-Titels im vergangenen Jahr diesmal wieder mit einer kleinen Siegesserie in die Saison starten konnten, wird es ein Gradmesser dafür, wie sehr man tatsächlich wieder an die Erfolge der letzten eineinhalb Jahrzehnte anknüpfen kann. Handicap dabei: Kicker Toni Trefzer fehlt wegen einer schweren Fußverletzung, die wahrscheinlich das Saisonende für ihn bedeutet. Gerade gegen die Rebels, die sich von Potsdam nur mit einem Field Goal kurz vor Schluss bezwingen ließen und auch ganz generell sehr häufig für enge und bis zum Schluss dramatische Spiele sorgen, macht dies den ersten Berlin-Besuch der Unicorns in einer Hauptrunde der effect® Energy GFL umso schwieriger.



