Braunschweig vor dem Nord-Derby gegen Kiel unter Druck

Woche zwei in der effect® Energy GFL: Mit den Düsseldorf Panthern, den Kiel Baltic Hurricanes und den Straubing Spiders greifen nun auch die drei noch übrigen der 15 Mannschaften in das Rennen um die Teilnahme am GFL Bowl am 3. Oktober in Dresden ein. Wobei ihre Aussichten, tatsächlich um den Titel mitspielen zu können, naturgemäß unterschiedlich sind.

Aus der Gruppe dieser drei waren 2025 nur die Kiel Baltic Hurricanes in den Playoffs dabei, und das erstmals seit 2017 wieder einmal. Den Appetit auf mehr hegt man an der Förde, ist aber geerdet genug, den Weg nach oben eher als einen Marathonlauf zu sehen. In offensiver Hinsicht hat sich die überwiegend aus Talenten der Region bestehende Mannschaft von Head Coach Timo Zorn zuletzt von Jahr zu Jahr gesteigert, in beharrlichen, aber noch kleinen Schritten.

Vielleicht gibt die Verpflichtung von Receiver Jarvis McClam da jetzt noch einmal einen entscheidenden Schub. McClam spielt seit 2019 in Europa, war 2022 in seinem bisher einzigen Jahr in der effect® Energy GFL mit 21 Touchdown-Fängen für Köln einer der Top-Scorer und fand nun den Weg aus Hamburg nach Kiel.

Für die Kieler richtungweisend sind vermutlich die ersten beiden Auswärtsspiele des Jahres, diesen Samstag in Braunschweig und drei Wochen später in Hildesheim. Dazwischen liegen Heimspiele gegen Dresden und Potsdam, erste Priorität für die Kieler bleibt aber, die Rolle als Nummer eins Norddeutschlands aus der letzten Saison zu verteidigen. 2025 gab es für die Kieler gegen Braunschweig und gegen Hildesheim zusammengenommen eine Bilanz von 77:77 Punkten aus drei Spielen. Aber zweimal war man dabei mit einem Zähler der Sieger und so der Playoff-Teilnehmer aus dem Norden.

Zumindest was den Auftakt in Braunschweig betrifft, sind die Aussichten der Kiel Baltic Hurricanes nicht schlecht, sich diesmal gleich ein bisschen mehr Vorsprung zu verschaffen. Die Braunschweiger offenbarten am ersten Spieltag in Dresden beim 8:47 erhebliche offensive Anlaufschwierigkeiten, bogen nach frühen Ballverlusten schnell auf die Verliererstraße ab. Beim Heimdebüt am Samstag um 16 Uhr an der Hamburger Straße heißt für sie die Frage: Lag’s vor allem an der Übermacht des Gegners oder waren die Abstimmungsschwierigkeiten hausgemacht und nicht binnen weniger Tage zu beheben?

Die Dresden Monarchs werden auch der Auftaktgegner der Düsseldorf Panther. Für die Panther ist der Ausblick auf das Match mit einem der Top-Favoriten etwas günstiger: Erstens spielt man zu Hause in Benrath, zweitens hat man den Gegner bereits beobachten können. Und drittens war die Winterpause in Düsseldorf durch einige bemerkenswerte Neuverpflichtungen geprägt. Neu im Düsseldorfer Kader sind etwa Running Back Gennadiy Adams, 2023 eine der tragenden Säulen bei Potsdams erster Meisterschaft, und Quarterback Isaiah Weed, der ebenso wie Adams nach Wanderjahren in der European League of Football nun der effect® Energy GFL den Vorzug gibt.

Nach ihrem dritten Wiederaufstieg binnen sechs Jahren haben die Düsseldorfer 2025 bewiesen, dass sie in die erste Liga gehören. Unvergessen ihr Paukenschlag vom letzten Juni, als sie ausgerechnet in Potsdam ihren ersten GFL-Sieg seit zehn Jahren einfuhren. Unabhängig davon, dass ein solches Husarenstück gegen Dresden schwer zu wiederholen sein wird: Die Playoff-Ambitionen der Rheinländer sind real, auch befördert durch einen insgesamt günstigen Spielplan, nach dem sie als einziges Nord-Team vier Interconference-Spiele bestreiten und dabei nicht ein einziges Mal auf ein Süd-Playoff-Team von 2025 treffen.

Das erste Interconference-Spiel der Saison 2026 brachte Hildesheim einen klaren Erfolg gegen die Allgäu Comets. Die Kemptener dürften ihre Pause vor den nächsten schweren Auswärtsspielen gut gebrauchen können. Hildesheim macht sich derweil auf nach Regensburg, um beim Aufsteiger Phoenix gleich seine zweite Partie gegen ein Süd-Team zu absolvieren. Für die Regensburger war gegen ihren Vorgänger als Neuling im Süden wenig zu holen. Nach der Shutout-Niederlage gegen die Pforzheim Wilddogs dürfte es für Phoenix besonders ungemütlich sein, nun gleich danach gegen ein ebenfalls offensivstarkes Team aus Niedersachsen anzutreten. Hildesheims Quarterback Nelson Hughes gelangen zum Saisonstart schon mal vier Touchdown-Pässe, die Regensburger Defense steht vor einem harten Arbeitstag.

Das zweite Interconference-Duell des zweiten Spieltages gibt es in Pforzheim. Die Pforzheim Wilddogs haben den Sieg aus Regensburg im Gepäck, die Berliner so eine Art „moralischen Sieg“ aus ihrem ersten Heimspiel gegen Potsdam. Bis in die Schlussminute hielten sie ihre Führung gegen den Meister fest, ehe einzelne Big Plays von Defense und Offense der Royals deren Special Teams noch das Field Goal zum Sieg ermöglichten. „Berlin ist schon lange ein etabliertes und physisch starkes Team. Mit der Hauptstadt im Rücken haben sie natürlich ganz andere Möglichkeiten und einen entsprechenden Background“, zollt Pforzheims Head Coach Michael Lang dem Gegner Respekt. „Wir

geben unser Bestes und werden sehen, wie sich die Partie im Verlauf entwickelt.“ Die Voraussetzungen stimmen für ein Spitzenspiel in der Kramski-Arena, bei dem beide Kontrahenten ihre Playoff-Ambitionen untermauern wollen.

Dies taten vergangenen Samstag auch die Schwäbisch Hall Unicorns in München. Ihr 52:27 bei den Munich Cowboys war die einzige Partie am ersten Spieltag, bei der die im letzten Jahr in der Tabelle tiefer platzierte Mannschaft gewinnen konnte. Nun zielen die Unicorns auf ihren ersten Heimsieg, nachdem die Vorbereitung zwei Niederlagen im Optima-Sportpark gegen Gäste aus Calgary/Kanada und Nord-Konkurrent Düsseldorf Panther gebracht hatte. Gegner sind die Straubing Spiders, für die es ein schwerer Einstieg in die Saison werden dürfte. Bei sieben Anläufen in der effect® Energy GFL seit 2022 haben sie die Unicorns noch nie bezwingen können.